Episoden aus meinem Leben

117 Splitter - Ich bitte um einen aussagekräftigen Titel

Link zur Übersicht aller bisherigen Splitter
Link zum Feedback auf diesen Splitter
Link zum Feedback auf den letzten Splitter Ich freue mich über jeden Titel oder Kommentar und über jede Person, die künftig die Splitter regelmäßig erhalten will. Bitte alles an: egon.biechl@chello.at senden.
Kommentare nur für mich privat bitte als solche kennzeichnen.




Seit einigen Wochen beeindrucken  mich Jugendliche, die mich als Mann von einem Meter achtzig mit ihren zwei Metern als klein erscheinen lassen. vor allem dadurch, dass es sich nicht nur um Burschen, sondern auch um Mädels handelt. Das erinnert mich an eine Begebenheit, von der mir meine Mutter erzählt hat.

In den Jahren 1932 bis 1939 ist sie in Matrei am Brenner im Hotel Krone als Stubenmädchen angestellt. Ihr oberster Chef ist Herr Stadler. Der ist ein Freund von Erzherzog Eugen, welcher oftmals bei Festlichkeiten in Matrei zu Gast ist. In der Tiroler Tageszeitung vom 9.Jänner 1955 – den Zeitungsartikel habe ich heute noch - wird kolportiert, dass es zwischen den beiden eine gewisse Rivalität bezüglich ihrer Körpergröße gab. Bei einer scherzhaft durchgeführten Messung zog Herr v. Stadler den kürzeren, er war genau um einen Zentimeter kleiner.
Erzherzog_EugenBitte anklicken: Ausschnitt aus einer Original-Rede von Erzherzog Eugen

Sonst besteht zwischen den beiden ein beträchtlicher Unterschied: Herr v. Stadler ist Gastwirt und Schützenhauptmann in einer kleinen Tiroler Gemeinde. Erzherzog Eugen hat den Zunamen „von Österreich“, ist Habsburger, Feldmarschall der k.u.k. Armee und Hochmeister des Deutschen Ordens.  

Das regt mich an, darüber nachzudenken, wann und wo ich in meinem Leben ähnlichen Situationen begegnet bin.

Wir schreiben das Jahr 1961. Ich bin zur Belohnung für einen Aufsatz, den ich im Rahmen eines österreichweiten Wettbewerbs für literarische oder bildnerische Leistungen eingereicht habe, zusammen mit acht anderen Preisträgern zu einer Rundfahrt durch unser Heimatland eingeladen. Bei den offiziellen Empfängen in den einzelnen Landeshauptstätten muss jemand von uns als Erwiderung auf die lobende Ansprache ein paar Dankesworte sagen. Der, dem diese Aufgabe zugedacht ist, verhaspelt sich bei der Auftakt-Veranstaltung im Wiener Ringturm grauenvoll. Wir anderen schauen uns an und ich melde mich spontan, beim nächsten Mal diese Funktion zu übernehmen. Da mir das tags darauf in Bregenz gut gelingt, bin ich nun dazu ausersehen, diese Rolle zu übernehmen. Zwischen hochrangigen Beamten, die uns für unsere Leistungen ehren, ist auch der Kärntner Landeshauptmann Herr Wedenig. Mit dem Rang des Einladenden steigt natürlich auch mein Selbstbewusstsein.

Der Pater General der Serviten Joseph M. Loftus aus den Vereinigten Staaten visitiert auch unser Kloster im italienischen Saluzzo. Was für einen Ordenspriester etwas ungewöhnlich ist: er raucht Zigarren. Er hat auch für uns welche mitgebracht.  Als er fragt, wer Interesse an einer hätte, hebe ich bescheiden und stolz zugleich meine Hand. Ich bin der einzige unter all den Italienern und Spaniern, der schon – allerdings nur ganz sporadisch - Zigarren gepafft hat. Also schenkt er mir - und nur mir - eine handgerollte Zigarre, die ich später ehrfürchtig und wegen der phänomenalen Qualität mit großem Genuss rauche. Meine „Kollegen“ bestaunen mich.

Im Laufe einer Amerika-Reise im Jahr 1975 komme ich, der Exportleiter einer Glasfirma, als der große Zampano nach Florida.  Ich werde von unseren Kunden umworben, zum Abendessen eingeladen und befragt, welchen Wein ich trinken wolle. Ich trinke zwar Wein und das gern, aber bei den Sorten kenne ich mich nicht so gut aus, außer dass ich einen Rot- von einem Weißwein unterscheiden kann. Irgendwo dazwischen liegt für mich der Roséwein. Da ich mich in einem edlen Restaurant befinde und nicht als kompletter Banause dastehen möchte, nenne ich eine Marke von Wein, die ich irgendwo aufgeschnappt habe: Châteauneuf-du-Pape. Ich bin sicher, dass es diesen sündteuren französischen Rotwein in Miami nicht gibt. Die Peinlichkeit jedoch wird mir gleich bewusst. Noch viele Male in meinem Leben geniere ich mich dafür.


Und – das Thema Körpergröße lässt mich nicht los –  Im Kurier vom 3. Februar 2017 ist Folgendes zu lesen:


Ein Mann namens Chandra Bahadur Dangi aus Nepal wäre mit seinen 54,6 Zentimetern Leibesgröße der kleinste Mann der Welt.


Als der größte hingegen wird der baumlange Sultan Kosen aus der Türkei bezeichnet. Er leidet unter einem Körperwuchs von 251 Zentimetern.
gross + klein

kostenfrei
Das ist das Feedback zu dieser Episode:
Titel-Tipps:

Antal:
Besser groß im Geiste"
Lotte:
Wer ist der Grösste?"
Brigitte:
Weltgewandt mit dem Glas in der Hand!"
Die wahre Größe ist nicht äußerlich zu sehen"
Ob Vortrag, Zigarre, oder Wein - weltmännisch muss man sein"

 

Kommentare (autorisiert):

Antal:
„Es ist eigentlich lächerlich, wenn wir (und ich denke, kaum jemand kann da widerstehen) irgendwo als normales kleines Würschtl zufällig tatsächliche oder vermeintliche „Prominenz” treffen und uns Zeit unseres Lebens damit brüsten. Wir wollen da wohl den Eindruck erwecken, selber wichtig genug zu sein, um auf Augenhöhe den „Großen” dieser Welt zu begegnen. Um wieviel wichtiger ist da , aufgrund tatsächlich eigener Leistung (vor allem geistiger Art) „15 minutes of fame” zu geniessen !"
Trude:
Also mit den Zigarren kann ich auch mitreden. Mein Mann und ich waren in Kuba. In Havanna haben wir viele Frauen gesehen, die die dicken Havannas geraucht haben. Da sagte ich zu meinem Robert, das, was die können kann ich auch. Robert hat zwei teure Zigarren gekauft und gemütlich auf einer Bank haben wir begonnen, die zu rauchen. Robert grinste als er mich mit der Havanna fotografiert hat, weil er wusste, dass mir ganz arg schlecht werden wird. Und so war es auch. Mir war so übel und das hat einige Zeit angedauert. Wir haben für unsere Freunde und Verwandte diese Zigarren mitgenommen und alle haben sie genossen."