Episoden aus meinem Leben

121. Splitter - Ich bitte um einen aussagekräftigen Titel

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Ich bin ein Pensionist und nach dem Frühstück noch immer nicht komplett angezogen. Ich sitze an meinem Mac und lese meine Mails.

Da bekomme ich einen Anruf. Microsoft ist am Apparat. Als ehemaliger Exportmanager spreche ich fließend Englisch und verstehe sofort den Satz  "Open your computer!", der mir in entschlossenem Befehlston entgegenschallt. Mit etwas Verzögerung öffne ich meinen Laptop. Mein Gesprächspartner am anderen Ende der Leitung wird gleich ungeduldig.

Ich verstehe, dass ein Telefonat aus dem Ausland erhebliche Spesen verursacht. Endlich geöffnet zeigt man mir aus der Ferne, wieviele Fehler darauf zu finden sind, die von einem Hacker-Angriff rühren. Zuerst werden einige hundert sichtbar, die sich in kurzer Zeit auf tausende, abertausende vermehren. "Besides of the missing Firewall the computer system is not lisenced." Da ich mir über die Rechtmäßigkeit meines Betriebssystems im Unklaren bin - ich habe den Computer nicht selbst aufgesetzt - steigt meine Besorgnis ins Unermessliche. Man verlangt von mir, die Angelegenheit mit einer Einmal-Zahlung in der Höhe von € 250 in Ordnung zu bringen. Aus Kulanz-Gründen würde man mir die eingesetzte Summe später wieder refundieren. Der genannte Betrag wäre mit XBOX-Guthabenskarten zu bezahlen. Wie in Trance gebe ich mein Einverständnis. Ich bin von den unvermittelten Eindrücken, verstäkt durch die an den Tag gelegte Eile, ganz benommen, wie hypnotisiert. Man erkundigt sich, wieviel Minuten das nächste Geschäft entfernt wäre, wo solche Guthabenkarten gekauft werden können.

Ich ziehe mich an, und begebe mich auf den Weg, für den ich 10 Minuten angegeben habe. Das erste ins Auge gefasste Geschäft hat keine solchen XBOX-Karten, das zweite nur solche in 10-Euro-Einheiten und von denen viel zu wenige. Beim Libro gibt es auch nicht mehr. Erst beim Spar kann ich zehn XBOX-Karten zu je 25 Euro kaufen.


Betrug Zahlungsmittel

Nach einer halben Stunde - die zeitliche Verzögerung wird gar nicht angesprochen - zurückgekehrt, gebe ich auf Anweisung die zehn 25-stelligen Codes ein. Betont wird, dass alle diese Codes auf Anhieb richtig sein müssen. Zwei von ihnen sind es nicht, so wird behauptet. Sie seien bereits abgelaufen, weil bereits anderswo verwendet. Jetzt kommen mir erstmals - was bin ich doch für ein Trottel - Bedenken und bald auch die Gewissheit, dass ich Betrügern auf den Leim gegangen bin. Man bekniet mich, noch einmal Karten für 250 Euro zu kaufen. Jetzt weigere ich mich. Nach einigen Argumenten, dies doch zu tun, wird das Gespräch abgebrochen und abschließend mein Computer aufgrund meiner Weigerung lahmgelegt. Ich kann ihn nicht mehr auffahren.

Aufs Äußerste bestürzt wende ich mich an meinen Freund, den Computer-Experten. Zu meiner Erleichterung macht er mir - wie peinlich ist mir doch das Vorgefallene - keine Vorwürfe zu meiner Leichtgläubigkeit. Er bringt meinen Computer wieder zum Laufen und schützt ihn mit einem kompromisslosen Firewall. Meine Freude darüber lässt die Scham über mein idiotisches Verhalten in den Hintergrund treten.

Die Gangster versuchen noch einige Male meine Notlage auszunützen. Offensichtlich sind sie davon überzeugt, dass mein Laptop noch immer nicht funktionert. Sobald ich jedoch bei einem Anruf Englisch höre, lege ich auf und lasse mich auch dadurch nicht beeindrucken, dass man mein Google-Passwort andauerntd ändert. Ich beantrage jedes Mal sofort ein neues. Bald ist Google hellhörig geworden und informiert mich, es würde mein Passwort vor Angriffen von außen schützen.

Mein Freund hat mich davor bewahrt, weiterhin abgezockt zu werden. Durch dieses eindrucksvolle Ereignis - immerhin hat es mich in Summe 250 Euro gekostet - bin ich vielleicht nicht klüger, aber doch bedeutend vorsichtiger geworden.

 
kostenfrei
Das ist das Feedback zu dieser Episode:
Titel-Tipps:

Hannelore:
„Durch Schaden wird man .... vorsichtiger ?"
Antal:
„Die Kehrseiten des IT-Komforts"
Fritz:
„Vorsicht ist besser als Nachsicht"
Doris:
„Leider gibt es auch Arschlöcher.....auf dieser Erde!"
Brigitte:
„Das Böse ist immer und überall ...."(Song von EAV)
„Misstrauen schützt vor Überraschungen"

 
Kommentare (autorisiert):

Hannnelore:
"Wir sind alle so erzogen worden, freundlich und hilfsbereit und ordnungsliebend zu sein und nirgends anzuecken. Die Zeiten haben sich schlagartig verändert. Es richtet sich meistens gegen uns. Auch die Hilfsbereitschaft auf der Strasse muß sich in Grenzen halten. Advent und Weihnachten Ist eine gefährliche Zeit für uns und eine lukrative für andere geworden. In diesem Sinne: seien wir wachsam!
Habe soeben etwas anderes im Internet geschaut und von der Polizei Krems einen Artikel über diese Anrufe (!) gefunden. (Mein Zugang war Hadersdorf am Kamp – Gemeindenachrichten.) Da steht alles genauso drinnen, wie du es geschildert hast mit einer Warnung:
https://www.hadersdorf-kammern.at/veranstaltungen-aktuelles/aktuelles-aus-der-gemeinde/aktuelles-detail/article/betruegerische-benachrichtigungen-microsoft-support.html"

Antal:
"Es geht ja den meisten von uns so : Wir mögen zwar geübte User sein, wenn es aber in die Tiefen des Systems geht, sind wir hilflos und total unsicher. Wenn es da etwas gibt, oder zu geben scheint, verfallen wir in Panik – der Gedanke, möglicherweise unsere Daten zu verlieren oder eine Zeitlang nicht computern zu können, erfüllt uns mit Schrecken und verführt uns zu Aktionen, an die wir normalerweise nie denken würden."
Margret:
"Solltest du mal einen Anruf bekommen: Hallo Egon, rate mal, wer dich anruft! Dann häng entweder sofort auf oder spiel das Spiel mit und informiere sofort die Polizei. Neuerdings tönt es auch so: Guten Tag Herr Biechl, hier spricht die Polizei. Ihr Guthaben auf der Bank ist nicht mehr sicher, bringen Sie es uns zur sicheren Aufbewahrung. Mitspielen zum Schein, die Polizei benachrichtigen und diese Ganoven zur Strecke bringen. Mir scheint, du könntest ein Opfer des Enkeltricks werden. Ich habe schon mehrere Anrufe wegen des Computers bekommen und schreie dann jeweils ins Telefon: You are bloody criminals! Und hänge auf. Wegen der elenden Trickbetrüger steht unsere Nummer gar nicht mehr im Telefonbuch. Nach einem eindeutigen Anruf zogen wir diese Notbremse."
Trude:
" Ich habe viele Tel.Anrufe von Italien bekommen, sie wollten mir allerhand anbieten. Ich habe immer, wenn ich die it. Vorwahl sah, das Telefon aufgelegt, einmal habe ich hineingeschrien, ich werde ihre Tel. Nr. der Polizei melden. Aber einmal habe ich versucht, die Nr., die auf Display erschienen ist, zurückzurufen. Da war dann ein Band: kein Anschluss unter dieser Nummer. Momentan ist Ruhe. Auch von Deutschland kamen Anrufe. Die Personen haben ein furchtbar schlechtes Deutsch gesprochen, auch das habe ich mit Polizei-Drohung eingestellt. Das ist auch der Grund, warum ich keine Zahlungen per PC tätigen würde, man kann furchtbar einfahren. Dann hat mir meine Freundin aus Canada ganz gefährliche E-mails gesandt , ich will hier nicht erörtern um was es sich handelt, weil Du es schon erraten kannst. Nachdem ich diese E-mails geöffnet hatte, wurde mein Computer gestört. Jetzt kommt immer die Meldung, wenn Karin aus Canada mir solche E-mails schickt, kann nicht geöffnet werden, damit bin ich geschützt. Du kannst ja die 250,-Euro verschmerzen, weil es kein größerer Schaden wurde."
Christof:
"Mir ist auch schon Ähnliches widerfahren! Allerdings bin ich Einer, der es immer genau wissen will, und deshalb sind in dem Telefongespräch irgendwann Zweifel aufgetaucht und ich hab die verlangten Daten dann doch nicht bekannt gegeben. Man ist auf die Dreistigkeit der Betrüger doch nicht gefasst. Und diese Herrschaften haben ihr Auftreten gut geübt, denn das ist ihr Beruf. In deinem Fall hätte ich spätestens bei den Xbox-Gutscheinen gezögert. Kann mir nicht vorstellen, dass irgendeine Firma, die seriös sein will, auf eine solche Zahlungsweise kommt. MS ruft sowieso nicht zu Hause an. - Mir ist so ein dreister Betrug das erste Mal passiert, als ich mit 21 das erste Mal in New York war und mich in ein Taxi gesetzt habe. Der Typ hat zweimal von mir abkassiert, nachdem er behauptet hatte, ich hätte ihm 1 statt 10 Dollar gegeben. Nachdem die US-Banknoten alle gleich grün ausschauen, hab ich ihm geglaubt und bin erst nachher draufgekommen, dass er mich reingelegt hatte. So etwas ist mir in Ö in einem Taxi noch nie passiert, und deshalb rechnen wir hier in Ö irgendwie nie damit, dass man so dreist reingelegt wird."
Hildegard:
"Aufgrund Deiner Ankündigung, es würde diesmal was für Dich Beschämendes berichtet werden, hatte ich gegrübelt, welche Leichen denn ein so liebenswerter Mensch im Keller versteckt haben könnte ... Sei versichert: schämen sollten sich Leute, die sich einen derart widerlichen und letztklassigen Schmäh ausgedacht haben. Richtige A...löcher! Hoffentlich erwischt man sie bald ... "
Walter:
"Habe bei dieser Mail (Hallo, Mein Spitzname in darknet ist Blackdor. Ich habe dieses Postfach mehr als gehackt Vor sechs Monaten habe ich Ihr Betriebssystem mit einem Virus infiziert (trojan) von mir erstellt und habe dich schon lange überwacht ...) gleich an Dich und Deinen letzten Splitter gedacht...
Mein Ratschlag: Verklebe gleich Dein Kameraauge am Laptop - und dann: viel Vergnügen ...
Wenn Du einschlägige Adressen wünscht … gerne … J … Aber bei Deiner lieben und hübschen Frau hast Du das ja nicht nötig …
Ich zwar auch nicht – aber es belebt und turnt an … J
Aber oberstes Gebot: Immer das Kameraauge verkleben! MlG der bisher noch nicht Gelinkte und Gelegte und Beobachtete und und und...
PS: Arschlöcher gibt ´s!
PPS: Aber leider auch Gutgläubige ... J "

Brigitte:
"Vorige Woche wollte man per email meine Daten betreffend Bankkonto usw. ganz dringen abfragen. Noch dazu in einem sehr schlechten Deutsch. "Sehr geehrter Bawagkunde". Ich bin aber nicht bei dieser Bank und war auch nie dort. Ätsch - blöd gelaufen !!!
Vor einigen Monaten kam per email der Hilferuf einer Freundin aus London - alles gestohlen, bitte um Geldüberweisung auf Konto xy, sonst könne sie nicht einmal nach Hause fliegen! Erstens weiß jedes Kind, dass man sich in so einem Fall an die Botschaft wenden kann und zweitens ist das schon ein alter Hut. Ich rief die Freundin in Wien an und zur Begrüßung sagte sie gleich "Danke es geht mir gut - du bist schon die Dritte, die sich meldet" ! Leider haben diese Gauner immer neue Tricks und man kann nicht misstrauisch genug sein."

Bertrand:
"Ich habe auch dummerweise 150€ in Frankreich verloren, weil meine Tante plötzlich krank und ohne Telefon in Portugal war!"
Doris :
"Ich habe mir angewöhnt, fremde ausländische Anrufe prinzipiell nicht abzuheben, da ich gehört habe, dass die einen nur abzocken mit megahohen Telefongebühren. Zum Glück ist nicht mehr passiert."