Episoden aus meinem Leben

140. Splitter - Ich bitte um einen aussagekräftigen Titel

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Ich freue mich über jeden Titel oder Kommentar und über jeden, der künftig die Splitter regelmäßig erhalten wollen. Bitte alles an: egon.biechl@drei.at
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Matrikeln
Matrikeln zu Johann Berger *1856

Als ich auf die Welt komme, sind meine Großeltern bereits alle verstorben. Bei meinen Großmüttern weiß ich nicht einmal wann. Mit der frei verfügbaren Zeit zu Beginn meines Ruhestandes überkommt mich als 65-Jährigen das Interesse an meinen Vorfahren. Im Tiroler Landesarchiv finde ich Matrikeln, das sind Kirchenbücher ab dem 16. Jahrhundert, die in der Jetzt-Zeit durch öffentliche Personenstands-Verzeichnisse ersetzt werden. Ich lasse mir dort Mikrofilme zu meiner Familie kopieren, zeichne mir die daraus gewonnenen Daten auf und entwickle daraus einen Stammbaum.
Ich bin sehr beharrlich und forsche an allen verfügbaren Stellen, wie in der Nationalbibliothek und vor allem im Internet, wo ich 2010 bei Ancestry, vielen anderen genealogischen Plattformen und schließlich MyHeritage lande. Erfolgreich arbeite mich bis zurück ins siebzehnte Jahrhundert und nach Mähren, wohin mich der Familienname meiner Mutter 'Berger' führt.


Berger_Wappen Der zweite Prager Fenstersturz im benachbarten Böhmen passiert im Jahr 1618 und ist der Beginn des Dreißigjährigen Krieges. Der ist auch eine Zäsur im Leben meiner Vorfahren, wie ich bei weiteren Nachforschungen entdecke. Vor diesen Umwälzungen hießen diese nämlich nicht nur Berger sondern 'Berger z Bergu', waren also adelig. Ab diesem Moment wird es noch interessanter für mich. Mein Eifer wächst, die Entdeckungen überschlagen sich und die Jahre, die ich auf die Ahnenforschung verwende, werden mehr.

Zunächst ist mir nicht klar, wie weit zurück mich das führen kann. Aber je intensiver und hartnäckiger ich ermittle, desto mehr Daten erschließen sich mir. Ich komme mit dem Namen meiner Mutter bis zurück ins 15. Jahrhundert, bis 1470. Da ist aus. Ist da wirklich aus?
Bis jetzt habe ich nur die männliche Linie verfolgt. Erst 2013 bemerke ich, dass ein Berger z Bergu 1590 eine Kateřina ze Zástřizl von der Burg Buchlov heiratetete. Das Schloss Buchlov ist unter dem Namen Buchlowitz bis heute erhalten. Die jahrhundertealte Dynastie der Zástřizls führt bis zirka 1350 zurück, als aus dem Herzogtum Sachsen-Wittenberg das Kurfürstentum Sachsen entsteht. Was will ich mehr?


Schloss Buchlov
Burg Buchlov bei der Königsstadt Uherské Hradište.

Trotzdem oder gerade deshalb begebe ich mich auf neue Suche. Wieso soll es mir nicht zum zweiten Mal gelingen, über die weibliche Linie weiter zu kommen? Die Mutter der Kateřina ist eine Drnovský z Drnovic, ein Geschlecht, das ich dann wieder bis zu Jindrich, geboren im Jahr 1280, zurückverfolgen kann. Er ist verheiratet mit Anka aus der sehr bekannten Familie z Kunštátu, Herren der ebenfalls noch erhaltenen Burg Boskovic. Er ist in meiner 20. Generation oder mein 17-facher Urgroßvater. So klar wird das auf der Internetplattform dargestellt. Wer kann das von sich behaupten?
Ich bin begeistert. Wir schreiben mittlerweile bereits 2017, aber mein Engagement ist nicht erloschen. Ich komme zu den Grafen von Plain Hardegg, ursprünglich eingewandert aus Frankreich, und Monate später zu den preussischen Ballenstedts und den sächsischen Markgrafen von der Lausitz bis zu Wittekind von Wettin. Er ist 795 geboren und König der Sachsen.


In weiterer Reihenfolge erreiche ich König Hengest, König von Sachsen und durch Heirat von 455 bis 488 auch King of Kent, dem angel-sächsischen Königreich. Ob die weiteren Vorfahren bis zu König Harderich, geboren im Jahr 111 vor Christus, reichen oder nicht? Ob es drei Generationen davor noch König Anserich gab? Wer weiß es?
Meine Freude über das Erreichte ist groß, sollte es auch nicht in allen Details den Tatsachen entsprechen.
Die Sehnsucht, Näheres über die zu meinen Lebzeiten bereits verstorbenen Großeltern zu erfahren, hat sich erfüllt.
Kent_Wappen
Wappen vom Königreich Kent
kostenfrei
Das ist das Feedback zu dieser Episode:
Titel-Tipps:

Antal:
"...und Jesus war mein Ur(97)-Großvater"
Brigitte:
"Ahnen erahnen"
"Ahnen erahnen und finden"
"Meine Ahnenforschung"
Fritz:
" Seine hartnäckige Hohheit Egon"
" Seine beharrlich ausdauernde Hohheit Egon, der ?"


Kommentare (autorisiert):

Hildegard:
„Ob der Name "Berger z Bergu" tatsächlich original oder nicht vielleicht irgendwann germanisiert worden ist?
Berg = tschechisch hora oder auch vrch.
Also wäre Vrchovský (oder Horský) eben auf deutsch Berger."

Egon:
„Es war mir tatsächlich schleierhaft, wieso die Berger's z Bergu vor 1560 Vrchovský z Vrchoviny hießen. Jetzt ist mir alles klar, weil es ja auch im Wappen der Berger's durch den Klammerzusatz dokumentiert ist. Danke für diesen Hinweis, der die Authentizität bestätigt."
Antal:
„...und Jesus war mein Ur(97)-Großvater" - angelehnt an die „Prieuré de Sion”...Spaß beiseite, ich teile mit Dir das Interesse an der Ahnenforschung, auch wenn ich leider (noch) nicht so viel Zeit dafür aufbringen kann, wie ich möchte. Geschichte über das übliche (Kaiser, Könige, Kriege, Päpste) hinaus ist faszinierend, und wenn man quasi „sich selbst im 15. Jahrhundert” sehen kann, erst recht. Natürlich stellen sich manche zunächst aufregend erscheinende Wege als Sackgassen heraus – ich war z.B. einmal überzeugt, von den Hohenzollern abzustammen, was sich dann als falsch erwiesen hat – aber auch da findet man viel Interessantes."
Bertrand:
„Ich freue mich über deine französische Herkunft.
Lieber Genosse, der Adel wurde in Österreich in 1918 abgeschafft. Wir leben seitdem in einer Republik.
Besonders bei den Roten legen wir Wert auf Gleichgerechtigkeit aller Bürger!!"

Egon:
„Von wo ich endgültig herkomme ist und bleibt ein Rätsel (ist mir im Endeffekt auch Wurscht!). Allerdings ist meine Mutter 1905 geboren und die Abschaffung des Adels 1918 war bei ihrer Geburt noch nicht gültig; eher die für das Geschlecht der Berger beim 30-jährigen Krieg.
Ich bin jedenfalls Egon der Erste und erwarte entsprechende Ehrerbietung."

Trude:
„Na, da hast du Dir etwas vorgenommen. Interessant, wenn man verfolgt, woher wir stammen.
Ich habe es grad mal soweit gebracht, dass ich weiß, dass das Geschlecht meines Vaters in Böhmen beheimatet war. Wir schrieben uns damals von der Mährenwald. Weiter sind wir nicht gekommen, denn mein Cousin, der sich mit der Ahnenforschung befasst hat, ist leider früh verstorben. Er hätte ja noch viel mehr Unterlagen gehabt, aber die sind verschwunden, weil jemand wahrscheinlich geglaubt hat, das sind unnötige Unterlagen.Mir tut es leid. Aber ich werde auch nicht weiterforschen, mir genügt, dass ich einmal auch Adlige in der Linie hatte."

Brigitte:
„Ich freue mich für dich, dass du erfolgreich deine Ahnen so viele Jahrhunderte zurück verfolgen konntest. Ein schönes Ergebnis nach all der Mühe. Mit 17-fachen Urgroßeltern kann ich leider nicht aufwarten. Aber es war für mich einst (ohne zu forschen) eine große Überraschung, dass meine Urgroßmutter mütterlicherseits und ich am gleichen Tag Geburtstag haben, sowie einer meiner Söhne am gleichen Tag Geburtstag hat wie einer seiner Urgroßväter. Ich kann es nicht erklären, aber es berührte mich."
Erich:
„Von irgendwo kommen wir her - irgendwo gehen wir hin. Heute haben wir technische Möglichkeiten, mit Hilfe der modernen Medien vieles zu rekonstruieren. Diese können ein Fazit aus einer riesigen Datenmenge erstellen. Je mehr Daten zur Verfügung stehen, desto wahrscheinlicher und glaubwürdiger das Ergebnis. Sehnsucht und Wissen über das Selbst kann positive Auswirkungen haben (ob`s dann wirkt, sei dahin gestellt), Zu Risiken und Nebenwirkungen befragen sie bitte Egon Biechl!"