Episoden aus meinem Leben

142. Splitter - Ich bitte um einen aussagekräftigen Titel

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Ich freue mich über jeden Titel oder Kommentar und über jeden, der künftig die Splitter regelmäßig erhalten wollen. Bitte alles an: egon.biechl@drei.at
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"Ich habe ein Problem, ein Problem mit meinem Körpergewicht.

Ich bin derzeit 113 kg schwer. Das veranlasst mich, meinen Vorgänger, den 57-jährigen Herrn Biechl zu diesem Thema. zu befragen. Der beantwortet meine Frage rasch und unkompliziert: "Ich war viel auf Reisen, bei denen ich die unterschiedlichsten Speisen essen sollte, wegen der Geselligkeit musste und auch gerne tat. Ich war immer neugierig, wie die exotischen Speisen wohl schmecken. Sie schmeckten mir gut. Die Flugreisen zwischen den einzelnen Städten und Ländern waren körperlich nicht anstrengend. Daher habe ich zugenommen und es bis auf 120 kg gebracht." Ich frage zurück: " Aber Du warst doch nicht nur im Ausland?" - Du hast recht, aber da musste ich statt Joggen und Radfahren die angehäufte Arbeit erledigen. Außerdem kamen jetzt unsere Geschäftspartner nach Wien und ich sollte sie zum Essen einladen. Ich durfte mitessen. Solche Besuche gefielen mir gut."

Jetzt mache ich einen neuerlichen Vorstoß: "Aber Du warst doch nicht immer so beleibt, oder?" - "Frag doch den, der mich dafür vorbereitet hat." Sein Vorschlag scheint mir vernünftig und ich frage den 27-jährigen Frater Clemens, ob er mir zu dieser Materie etwas sagen könne. Der zeigt sich desinteressiert, weil er weiß, dass Fettleibigkeit nie und nimmer sein Problem war. Er reduziert es auf körperliche Ertüchtigung: "Auch als Kleriker haben wir auf dem kleinen Areal im Klosterhof Fußball gespielt und uns damit fit gehalten. Im Urlaub in einem anderen Kloster war mir sogar die Verantwortung zugeteilt, gemäß den Vorgaben des Försters alle Holzarbeiten im Klosterwald zu erledigen. Das entsprach meinem jugendlichen Bewegungsdrang." Da fällt ihm der fünf-jährige Gonele begeistert ins Wort: "Ich hab mich auch gefreut, wie Papa mich zum 'Holzen' in den Wald mitgenommen hat." Egon, der 14-jährige Gymnasiast: "Der Pater Prior hat mir erlaubt, einen Baum umzuschlagen, während sich meine Mitschüler im Klassenzimmer auf die Schularbeit vorbereiten mussten. Super! Im übrigen habe ich viel Leichtathletik gemacht: Weitspringen, Hochspringen und Laufen."

"Aber wie war das mit dem Essen?" frage ich, der 77-jährige Egon-Opa. Egon antwortet: "Wir hatten regelmäßige Essenszeiten."  Clemens: "Bei uns war es ähnlich. Zwischen Abendessen und Schlafengehen gab es auch nichts zum Naschen." Ich beneide ihn wegen dieser klaren Regeln. Bei mir gibt es manchmal ein Abendessen und manchmal etwas zum Naschen oder beides, wo man doch drei Stunden vor der Bettruhe überhaupt nichts mehr essen sollte. Nun frage ich Clemens: "Und wie war es mit dem Alkohol?" - "Seltsamerweise gab es nur am Freitag, dem wöchentlichen Fasttag zum Mittagessen mit Fisch ein Bier; sonst fast nie." Ich: "Hat sich das während der vier Jahre in Italien geändert?" - "Ja! Zu jeder Hauptmahlzeit gab es für jeden von uns ein Viertel Rotwein. Gleichzeitig hat sich die sportliche Betätigung auf die Ferienzeiten im klostereigenen Refugium in den Bergen, beschränkt. Dort aber haben wir aber viel frische Luft getankt und unsere Muskulatur entsprechend gefördert!" Zu alkoholischen Getränken schweigt Herr Biechl. Erst auf meine direkte Frage: "Außer in mohamedanischen Nationen gab es genug davon. In Italien und Griechenland setzte nur die Vernunft ihre Grenzen." Ich freue mich insgeheim, dass ich in meinem Alter den Alkoholkonsum auf ein angemessenes Maß reduziert habe. Jetzt bin ich sogar ganz abstinent.

Eindringlich frage ich jetzt Herrn Biechl, wie er das gemacht hätte, zwischendurch auf 92 kg herunter zu kommen, wie er mir früher schon verraten hatte. Er antwortet locker: "Zwei Mal eine dreiwöchige Kur in einer Diätpension wirken Wunder. Aber der Erfolg war unter den oben geschilderten Bedingungen nicht von langer Dauer." Für mich denke ich da an den einjährigen Kurs in der Wiener Gebietskrankenkasse zurück, der mit all den praktischen Anregungen und den dazugehörigen sportlichen Übungen Wirkung gezeigt hat. Der anschließende wöchentliche Gymnastikkurs musste zu meinem großen Bedauern wegen zu geringer Teilnehmerzahl beendet werden ...

Wie kann ich jetzt mein Problem lösen? 5.800 Schritte täglich! Kein Naschen am Abend! Keine süßen Limonaden! Tägliches Wiegen und - wie von kompetenter Seite vermittelt - eine durchaus erreichbare Gewichtsreduktion von maximal 1 kg pro Monat, um den JoJo-Effekt zu vermeiden. Das ist doch ein gangbarer Weg! Oder?


Diaet-Pension SchwergewichtDicke sind schwerer zu entführen

kostenfrei
Das ist das Feedback zu dieser Episode:
Titel-Tipps:

Antal:
"Wer ist stärker – ich oder ich?"
Ernst :
"Laßt die Wohlbeleibten um mich sein, denn sie sind guten Gemütes."
(Shakespeare)

WW:
"Blad bin i wurn!"
"Blad is er wurn!"
Fritz:
"Der Wille kann Berge versetzen"
Brigitte:
"Das ganze Leben - ein Auf und Ab"
"Man nimmt nicht zu - man entwickelt seine Persönlichkeit"
Beate:
"JoJo-Effekt - ein Kinderspiel? "
"Die Sache mit dem Lebendgewicht"
"Jeder sieht es anders"


Kommentare (autorisiert):

Ursula:
„Da hast Du ein weites Feld aktiviert!!
Mir hat geholfen, bei jedem regelmäßigen Essen nur einmal zuzulangen und den Teller nur normal zu beladen. Dessert und Naschen langsam und nur in Mini-Portionen, der Rest schmeckt genauso! Abendessen nicht mehr nach 18-19 Uhr, dann 12-14 Std. Pause bis zum Frühstück. Bewegung im Rahmen des Möglichen in unserem Alter, aber mit Überwindung und der Einsicht, daß sonst die Muskeln verkümmern und der Kreislauf Probleme bekommt. Liebe Menschen, gute Gespräche und sehen, daß man immer noch jemanden kennt, dem es „schlechter“ geht als einem selbst! Und wenn es mal ernst wird mit längerer Krankheit, dann ist es immer noch gut, wenn man etwas Reserve hat zum Zusetzen! Zwei meiner auch im Alter noch superschlanken Freundinnen verstarben nach Operationen, weil der Körper zu schwach für diese Strapazen war. Das ist also auch keine Alternative!
Ich hatte einmal eine sehr übergewichtige Freundin, die immer wieder einmal Ernährungs-Beratungskurse besuchte, zu denen sie mich mitnahm. Ich hörte dort, daß es kontraproduktiv sei, sich selbst die „Genüsse“ zu sehr zu verbieten. Lieber dann eigene Erlaubnis – in kleinen Mengen. Und daß es die gleiche Zeit der Gewichtsreduktion braucht, die man hatte, um so schwer zu werden, und dann noch einmal die Zeit, in der man dann das Wunschgewicht halten muß. Bis dahin hat man sich so an die neue Essengewohnheit gewöhnt, daß man sie beibehält. Laß Dir also alle Zeit, wenn es denn gesundheitlich nötig ist! Und sonst: mein Gott, das Leben ist jetzt nur noch so kurz! Kasteist Du Dich mit dem einen für ein „Schönheitsideal“, bekommst Du bestimmt etwas anderes, was Dir erneut zu schaffen macht.
Liebe Grüße und trotzdem Genuß beim Essen!"

Irmi:
„Gratuliere zu Deiner rührenden „Beichte“ zum Thema „Körperfülle, ein (ge)wichtiges Problem“ in Form von Zwiegesprächen."
Hildegard:
„Der dieswöchige Beitrag ist wieder ganz besonders amüsant ... und dabei wirklich tiefgründig! Danke dafür! Zum Trost sende ich Dir ein russisches Sprichwort, das mir sehr ans Herz gewachsen ist: "Von einem lieben Menschen kann gar nicht genug da sein!""
Antal:
„Endlich ein Thema, bei dem ich uneingeschränkt mitreden kann, mit meinen nun „nur” mehr 107 Kilo ! Absolut einverstanden – ein Verkaufs- und Managementjob macht es einem, der eh schon Genuß liebt, sehr schwer. Vor allem die Bewegung ist bei der Dauer-Reiserei das Problem, es sei denn, man ist Triathletenmäßig selbstdiszipliniert und steht täglich um halb sechs auf, um eine Stunde Sport zu machen. Immerhin – nach einer Kur hat es bei mir „klick” gemacht, ich esse jetzt andere Dinge, weniger, bewusster, und die Fitness-Ausrüstung ist im Koffer als Grundausstattung dabei. Manchmal kommt sie sogar zur Verwendung, und bei der Hotelauswahl ist die Präsenz eines Fitnessraums wesentliches Kriterium. Seither fühle ich mich viel wohler in meiner doch sehr spürbar reduzierten Speckhülle J . "
WW:
„Deine 113/120 Kg haben meine/unsere Liege in Klo´burg zum Zerbersten gebracht. Ich hab sie repariert – Zsuzsa hat mich deswegen bewundert.
Zuviel essen? Zsuzsa und ich essen kein Frühstück, zu Mittag (Zsuzsa kocht herrlich und eßfreudig!) jeder nur die Hälfte einer „genormten“ Mahlzeit, und am Abend essen wir Spargel (stinkt beim Pinkeln) oder sonst etwas Harmloses. Fazit? Ich bin auf 74 kg herunten – und Zsuzsa verrät mir ihr Gewicht nicht. Ich fahre jeden Tag (jetzt sogar schon bei Regen und Kälte) 30 km mit dem Rad (zugegeben E-Bike – aber treten muß ich trotzdem) und gehe zwei- bis dreimal die Woche in die Sauna … Unter 74 kg komm ich trotzdem nicht.
Nimm ab, sonst schaust Du Dir die Radieschen bald von unten an …"

Trude:
„Du siehst trotz der einigen kg zuviel gut aus. Bist ja groß, da darf man schon ein bisschen mehr wiegen. Ich habe eine Methode, mein Gewicht zu halten: Wenn ich meine Jeans anziehe und ich habe Schwierigkeiten den Knopf zu schließen, dann faste ich solange, bis die Jean wieder total passt. Dauert nicht lange, weil ich es gar nicht so weit kommen lasse, dass ich eine neue kaufen gehe. So hat halt jeder seine eigene Idee, wie man Gewicht haltet."
Sonja:
„Schöner Vorsatz! Für den fehlenden Gymnastikkurs gäbe es eine Alternative: Auf Willhaben eine gebrauchte Wii (unbedingt mit Balance Board) mit Wii Sports kaufen. Die Übungen sind super, man wird angeleitet und motiviert (Kommentar und Fortschritt sichtbar). Das macht Spaß, man wird fit und verliert Gewicht."
Brigitte:
„Die "endlose Geschichte" mit Kilo auf und ab begleitet mich auch seit Jahrzehnten. Ich habe wahrscheinlich mein Lebendgewicht schon einmal ab- und wieder zugenommen. Theoretisch bin ich große Klasse und weiß genau Bescheid - ich könnte Vorträge über gesunde Ernährung halten. Aber in der Praxis haut das immer wieder nicht hin !! Ich kämpfe aber tapfer weiter (hin und wieder !). Frau ist ja nicht übergewichtig, sondern eine "Dame mit etwas mehr Figur", was aber an den Tatsachen auf der Waage nichts ändert. "
Fritz:
„Du stehst mit deinem Gewichtsproblem nicht alleine da. Kurz gesagt, um abzunehmen und zwar auf Dauer gibt es nur eine Möglichkeit: die Ernährung umstellen.Da spielt natürlich der Lebenspartner eine große Rolle. Ohne diese Hilfe wird es schwierig. Ich bin kein Ernährungsberater aber eines ist gewiss: die Portionen reduzieren. Zucker (süsse Limonaden, Kuchen, Torten etc. sowie fette Speisen) aus dem Essensprogramm streichen. Das wäre ein Anfang. Und der kompromisslose Wille abzunehmen ist der wichtigste Faktor. Ich wünsche dir, dass du das schaffst und du wirst es schaffen."