Episoden aus meinem Leben

145. Splitter - Ich bitte um einen aussagekräftigen Titel

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Ich freue mich über jeden Titel oder Kommentar und über jeden, der künftig die Splitter regelmäßig erhalten wollen. Bitte alles an: egon.biechl@drei.at
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"Die ganze Vielfalt, der ganze Reiz, die ganze Schönheit des Lebens besteht aus Schatten und Licht." (Spruch von Leo N. Tolstoi)

Das gilt für jeden Kontakt mit anderen Personen, welchen Alters, welchen Geschlechts, welcher Nationalität, welcher Sprache, welcher Religion auch immer. Vor allem gilt es für alle Mitmenschen, die einen eigenen Standpunkt haben, mag er noch so unterschiedlich von meinem sein.

Ich kenne viele Varianten dieser Vielfalt, kenne viele Länder und viele Menschen. Ich reise viel und bin offen für Neues.

Durch eine genealogische Internet-Plattform lerne ich einen entfernten Verwandten, einen US-Amerikaner kennen, mit dem ich auch über Facebook kommunizieren kann. Er bezeichnet mich als seinen deutschsprachigen Cousin, obwohl mich die vielen Verwandtschafts-Schritte zwischen uns beiden nicht als solchen ausweisen. Diese Gemeinsamkeit trotz der großen Entfernung ist reizvoll. Bald allerdings bin ich schockiert von seinen Aussagen.

Zugegeben, ich lebe nicht in den Vereinigten Staaten, die dortigen Gesetze sind mir vielfach fremd und die politischen Verhältnisse in den USA für mich nicht wirklich durchschaubar. Aber bald erkenne ich seine fanatische Sichtweise. Ich bin entsetzt, wenn er nach den vielen Amokläufen in den USA meint, man sollte den Zugang zu den Schusswaffen nicht einschränken. Jede Entwaffnung würde einer Entmündigung des amerikanischen Volkes gleichkommen.


Obama


Schande
Gleichwuerigkeit

In diesem Moment denke ich paradoxerweise nicht an feindliches Verhalten, sondern an den Grundsatz der Gleichwürdigkeit, der von meiner Frau stammt. Sie ist Lehrtrainerin und Verfasserin des Buches "Gleichwürdigkeit als Geheimnis des Erfolgs von Trainingskompetenz". Sie schwört auf diese Grundhaltung, welche bedeutet, die Lebenserfahrungen anderer Personen zu achten und zu ehren, ohne sie einordnen oder bewerten zu wollen. Also weder Arroganz noch Unterwürfigkeit sind angesagt und schon gar kein Fanatismus.

In der Beziehung zu meinem englischsprachigen "Cousin" nützt mir daher meine Haltung zur Gleichwürdigkeit nichts. Mit seiner nationalsozialistischen Uniform, die ich jetzt auf den Fotos seiner Facebook-Seite entdecke, gehört er für mich zu den unbelehrbaren Radikalen, von denen im Buch meiner Frau ebenfalls die Rede ist. Es ist für mich unvorstellbar, unsere Differenzen über Facebook zu klären. Da würde ich nicht einmal mit einer Reise zu ihm nach Pennsylvanien etwas erreichen.

Trotzdem bin ich davon überzeugt, dass er zu den Ausnahmen zählt. Vernünftigen Menschen, die sich Gedanken über das menschliche Zusammenleben machen, lassen sich von der Idee beflügeln, dass allein der Gedanke an die gleiche Würde der Menschen vieles bewegen kann. Dieses offene Aufeinanderzugehen bewirkt meist keine Änderung der eigenen Überzeugung, aber durch Klärung der sonst unterschiedlich verwendeten Begriffe kann gegenseitiges Verständnis und die Chance auf Kompromissbereitschaft erreicht werden.

Diese vielseitige Mischung aus Schatten und Licht bildet den Reiz und die Schönheit des Lebens.

kostenfrei
Das ist das Feedback zu dieser Episode:
Titel-Tipps:

Brigitte:
"Mein 'radikaler' Cousin"
"Gleichwürdigkeit ... "


Kommentare (autorisiert):

Fritz:
„Das ist ein sehr interessanter Splitter und das bisschen, das ich dich kenne, merke ich, dass du von der Sichtweise deines weitschichtigen Verwandten in der USA etwas geschockt bist. Oft kommt mir vor, dass einige jetzt amerikanische Personen bei der Befreiungsaktion im 2. Weltkrieg dieses Gedankengut mit in die USA genommen haben."
Irmi:
„Die ganze Vielfalt, der ganze Reiz, die ganze Schönheit des Lebens besteht aus Schatten und Licht." (Spruch von Leo N. Tolstoi)
Philosophische Antwort: "Wer die Töne zwischen Licht und Schatten nicht sieht, die bunte Vielfalt und auch die Grautöne – ist arm und wird vielleicht mit der Zeit trübsinnig, weil er/sie Licht sucht und nur kurz findet, weil er/sie unzufrieden zum Schatten zurückkehrt und dort schon gar keine Zufriedenheit findet." (Irmi Novak)"

Ernst:
„Leider gibt es Menschen, die eingefahrene Gleise benutzen und ein Scheuklappendenken verinnerlichen. Davon wusste ja schon Arik Brauer zu singen - "Vorder meiner, hinter meiner, links rechts gült's nix..."

Wenn der Mensch in Ordnung ist, dann ist auch die Welt in Ordnung:
Ein Geistlicher bereitet sich auf seine Predigt vor. Dabei wurde er von seinem Sohn gestört, der sich langweilte. Der Vater zerriss eine Landkarte in kleine Teile und sagte seinem Sohn, er solle die Karte zusammensetzen. Nach kurzer Zeit kam dieser mit der richtig zusammengesetzten Landkarte zurück. Auf die Frage seines Vaters, wie er das so schnell gemacht habe, antwortete der Sohn: 'Das war einfach. Auf der Rückseite der Landkarte war das Bild eines Menschen. Ich dachte wenn der Mensch in Ordnung ist, dann ist auch die Welt in Ordnung.'"