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Episoden aus meinem Leben

17. Splitter - Ich bitte um einen passenden aussagekräftigen Titel


Es ist möglich, mit diesem Link die früheren Splitter nachzulesen.


Liebe

Ich kündige mich für eine Kur von 14 Tagen in Pfarrkirchen an. Schon einmal hatte ich hier in dieser ländlichen Diätpension ein paar Kilos abgenommen und – nach der gerade eben erfolgten Trennung von meiner Frau – entdeckt, dass hier auch alleinstehende Frauen herkommen. Bei diesem Aufenthalt war ich den anderen Gästen und vor allem auch den Wirtsleuten in dieser eher langweiligen Umgebung hier durch meine grundsätzliche Bereitschaft zur Kommunikation positiv aufgefallen.

Auch diesmal sind wieder mehr Frauen als Männer gesonnen, gesünder – vor allem aber attraktiver – zu werden. Die Pensionswirtin und besonders ihre Mutter halten mich für eine willkommene Abwechslung. Sie kündigen mich im Kreise der wenigen Pensionsgäste als „den lieben Herrn Biechl“ an.

Ich hatte bei meinem letzten Aufenthalt hier mit einer Frau in meinem Alter, Bekanntschaft geschlossen. Bald allerdings habe ich bemerkt, dass ich diese Bekanntschaft nicht mehr weiter pflegen möchte.

Sie sieht das nicht so. Im Wissen, dass ich mich gleichzeitig mit ihr wieder in der Diätpension aufhalten werde, lädt sie mich ein, in ihrem PKW mitzufahren, weil ich derzeit kein Auto besitze. Damit bräuchte ich mich nicht auf die umständliche Fahrt mit unterschiedlichen öffentlichen Verkehrsmitteln verlassen. In Pfarrkirchen angekommen sei ich dann ohnehin komplett unabhängig von ihr. Ich will jetzt diese Annehmlichkeit nutzen, obwohl ich ihrer Zusicherung der Ungebundenheit nicht wirklich glaube. Der Reisetag ist gekommen und wir beide treffen zusammen in der Diätpension ein. Wir werden von den Gastgeberinnen herzlich willkommen geheißen und beziehen unsere Zimmer. Da wir rechtzeitig zum Abendessen da sind, begeben wir uns auch unverzüglich in den Gemeinschaftsraum zum reservierten Platz.

Das ist jetzt der Moment intensivsten Interesses: wer würde da sein, um mir in den kommenden 14 Tagen als Gesprächspartnerin zur Verfügung zu stehen? Ich lasse gleich beim Eintritt in die Gaststube meine Blicke in der Runde wandern und bin nicht unzufrieden …

Am nächsten Morgen – ich sitze beim Frühstück noch immer zusammen mit dieser Frau an dem für uns reservierten Tisch – halte ich Augen und Ohren offen, um den festen Plan, den ich für mich am Vortag gefasst habe, ohne Verzögerung umzusetzen, um nur ja nicht weiterhin von ihr bedrängt zu werden.

Aufmerksam - wie ich bin - bekomme ich mit, wie die Dame meines Interesses mit ihrer Schwester am Nebentisch sitzt und sich bei ihr erkundigt, ob sie mit ihr spazieren gehen will. Ihre Antwort ist abschlägig: „Ich will mich an diesem schönen Tag lieber im Liegestuhl in die Sonne legen.“

Tatsächlich sind meine Augen am Vortag bei diesem sympathischen Wesen hängen geblieben, weil sie für mich die Attraktivste von allen war. Deswegen pirsche ich mich jetzt geschickt an diese entzückende Frau heran und sage unumwunden: „Darf ich Sie begleiten? Ich möchte gerne spazieren gehen.“ Ich bemerke ihre etwas verdutzte Reaktion und muss einen Moment lang auf die erhoffte Antwort warten. Aber dann kommt sie doch und ist positiv.

Ich fühle instinktiv, dass mit dem eben gegebenen Einverständnis ein wunderschöner Urlaub für mich beginnt. Auf der selten befahrenen Waldstraße können wir bequem nebeneinander gehen. Gesellige Wortwechsel faszinieren uns beide zusehends. Bald weiß ich, wie sie verheiratet bis vor kurzem hieß. Und nach einigen entzückenden Plaudereien über belanglose, aber für beide von uns interessante und aufschlussreiche Themen gibt sie mir ihre Zustimmung, sie per Du anzureden.

Das bemerkenswerteste Ereignis dieses Vormittags bleibt meine freundschaftliche Geste, kurz – wirklich nur ganz kurz - meinen Arm um ihre Schultern zu legen. Daraufhin spricht sie ihr so wunderbares Glücks-Gefühl an, von ihrem Ex-Partner, der sie viele Jahre lang eingeengt hatte, befreit zu sein. Damit trifft sie genau in dieselbe Kerbe, die mich im Moment so intensiv bewegt, zumal ich erst ein paar Monate zuvor meine Ehefrau verlassen habe. Am Ende unseres Spaziergangs ist klar, dass die Weichen dafür gestellt sind, uns bald wiederzusehen und weiter miteinander zu plaudern.

Beim Mittagessen erahnt meine Tischnachbarin aus meiner kurzen Schilderung des absolvierten Spaziergangs, dass ihre Chancen bei mir schwinden. In umsichtiger Voraussicht hat sie von der Schwester meiner Weggefährtin ihr Tierkreiszeichen in Erfahrung gebracht. Jetzt nutzt sie dieses Wissen als Maßnahme, um nicht Gefahr zu laufen, jeglichen Einfluss auf mich zu verlieren. Besondere Eindringlichkeit legt sie in ihre Warnung, das Tierkreiszeichen der Zwillinge wäre das hinterlistigste und infamste überhaupt und zudem besonders verhängnisvoll für mich, den harmlosen Fisch.

Solche Aussagen sind selbst für mich, den arglosen Egon, zu harmlos, war ich doch im Geschäftsleben als Verkaufsleiter immer vor Situationen auf der Hut, die zu meiner Übervorteilung hätten führen können. Eine solche Ansage bestärkt mich nur in meiner Absicht, mich achtsam von ihr fernzuhalten und mich ausschließlich dem Hochgefühl zu widmen, das meine neue Bekanntschaft in mir geweckt hat. Für den nächsten Tag vereinbaren wir, wieder spazieren zu gehen, um - mehr noch als die Umgebung - uns gegenseitig kennen zu lernen.

Und tatsächlich: „durchs Redn kommen d’Leit zsomm.“ Wir beide erreichen den Punkt, an dem ich sie küssen will. Ich bin dessen schon so entwöhnt, dass ich es nur sehr, sehr behutsam machen kann. Daher gesteht mir meine Begleiterin, sie bekäme davon keinen, aber schon gar keinen Kick. Trotzdem willigt sie – welch großartige Entscheidung ihrerseits - dazu ein, sich nach dem Abendessen mit mir in meinem Zimmer zu treffen, nachdem sie ja ihr eigenes mit ihrer Schwester teilt.

Für mich ist die Aufregung irrsinnig groß, fühle ich mich doch rollengemäß auch dazu verpflichtet, für solch einen einmaligen Anlass ein angemessenes Geschenk bereit zu halten. Der Krämer im Ort hat jedoch bereits zu und Auto habe ich auch keines zur Verfügung, um in einem größeren Ort etwas zu besorgen. Ich befreie mich aus dieser Bredouille, indem ich auf der Wiese ein paar Gänseblümchen pflücke, denn Gartenblumen zu stehlen getraue ich mich nicht, aber ein paar Johannes- und Stachelbeeren aus dem Hausgarten der Wirtin ja. Sie amüsiert sich sehr und ist dann offensichtlich auch darüber erfreut, dass meine erotische Zurückhaltung vom Nachmittag gründlich verschwunden ist.

Die anderen Gäste bemerken sehr bald, dass sich zwischen uns beiden etwas angebahnt hat. Die erste jedoch ist die Mutter der Wirtin, die mit allen Mitteln fördern will, dass das zarte Blümchen unserer gegenseitigen Zuneigung wächst, gedeiht und in einem freudigen Ereignis endet. Deshalb lädt sie uns beide zu sich in die Küche ein, damit wir nur ja viel zusammen sein können. Ihre Tochter ist da etwas langsamer von Begriff und fragt sich und dann auch meine neue Gefährtin, wieso sie von dem Wenigen, was ihr im Rahmen der strengen Diät an Essen zur Verfügung gestellt wird, nur einen Bruchteil isst. Ob sie eventuell im Gasthaus esse, sodass sie nicht darauf angewiesen wäre? Da kommt vom Nebentisch die Ansage: „Haben Sie tatsächlich noch nicht bemerkt, dass diese Frau ganz offensichtlich verliebt ist?“

Mein Appetit ist ungebrochen, er vergeht mir aber gründlich, als sich folgendes Ereignis zuträgt: diese mich bezaubernde Frau sagt mir, sie hätte sich nach ihrer „Entheiratung“ (ihre eigene originelle Wortschöpfung) einen Liebhaber zugelegt, der jetzt zu Besuch käme, um von ihr jedoch erfahren zu müssen, dass seine Zeit abgelaufen wäre. Angekündigt – eingetroffen. Natürlich ist er enttäuscht über diese Situation. Als er die Gelegenheit vorfindet, diese Entscheidung zu boykottieren, nimmt er sie prompt und ungeniert wahr. Er bemerkt, dass ich in einiger Entfernung parallel zu den beiden unterwegs bin, was meiner Angebeteten offensichtlich entgangen ist. Er bittet sie im Bewusstsein, dass ich das sehen muss, um einen Abschiedskuss, den sie ihm auch einfühlsam gibt.

Für mich stürzt damit nach dem Höhenflug der vergangenen Tage eine Welt / meine Welt zusammen. Ich halte mich nun ganz bewusst fern, verschwinde mit einer Gäste-Gruppe in den Nachbarort zum Kegeln und würdige sie beim Abendessen keines Blickes mehr. Alles aus!

Besorgt über diese - ihr so unverständliche - Entwicklung stellt sie mich ernsthaft zur Rede. Als sie schließlich den Grund erfährt, der mich an unserer Beziehung zweifeln läßt, ist sie von Herzen erleichtert und überzeugt mich eindringlich von der Abwegigkeit meiner Vermutung.

Der Diäturlaub endet harmonisch und mit der Aussicht auf viele gemeinsame beglückende Stunden, Tage, Wochen, Monate und womöglich auch mehr …



Das ist das Feedback zu dieser Episode:
Titel-Tipps:

Lotte:
"Die Zauberhafte"
Gerti:
"Egon's Mühlviertler Liebesrausch"
Bea:
"Das Traumpaar findet sich"
"Egon trifft seine Ina"
"E trifft I - Ei was für eine Freude"
"Angekündigt - eingetroffen"
"Schmetterlinge nach Entheiratung"

Helmut:
"Wer leicht benebelt klar noch sieht, wird letztlich seines Glückes Schmied!"
Christof:
"Auf Kur wird nicht nur die Gesundheit wieder belebt."

Kommentare (autorisiert):

Rosemarie:
"Eine schöne Liebeserklärung an deine Frau!"

Catriel:
"Der 'liebe Herr Biechl', na ja, klingt zu bieder, scheint ein Understatement zu sein, Frau
Pensions-Wirtin in allen Ehren. Aber das lodernde Tirolerblut lässt nicht locker, ein Herr Biechl ist nicht so abgetan, und siehe da, schon ist man per Du. Ein paar frisch geschiedene Armutschkerln müssen ja zusammen finden. Ein zahmes Küsschen weckt keinen 'Kick' - ach Egon! Alles aus? Oder kegeln statt küssen? - Na, kein Vergleich! "


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