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Episoden aus meinem Leben

21. Splitter - Ich bitte um einen passenden aussagekräftigen Titel

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Ich freue mich, wenn Ihr für jeden dieser Splitter einen Titel gemäß Euren individuellen Vorstellungen oder einen anderen Kommentar an mich schickt: egon.biechl@chello.at
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Mit sechs Jahren hält man mich für ein Kind. Ich bin auch eines. Mein Interesse hingegen unterscheidet sich manchmal nur unwesentlich von jenem Jugendlicher und junger Männer. Jetzt darf ich mich schon frei bewegen in unserem Wohnort Huben. Ich nütze das aus und erweitere mein Revier ganz selbständig auch auf die gegenüberliegende Seite der Ötztaler Ache. Ich laufe im Gefühl der Freiheit zur überdachten Holzbrücke und kraxle, drüben angekommen, zum Burgstein hinauf. Bei engen Tälern wird es ja gleich einmal steil. Bald entdecke ich über mir zwei Mädchen, geringfügig älter als ich, die offensichtlich denselben Vorsatz haben. Da sie gerade rasten, sitzen sie. Ich komme von unten und sehe so unter ihre Röcke. Meine Blicke versuchen, an ihren Unterhöschen vorbei zu finden, bevor ich mich gesellig zu ihnen setze. Sie jedoch zeigen keinerlei Interesse an mir und lassen mich bald allein, sodass ich 'gedankenverloren' weiter klettere.

Als ich acht und nach unserer Übersiedlung schon halbwegs in die Lermooser Dorfgemeinschaft eingebunden bin, ändert sich die Situation. Wir spielen zu dritt an einem Ort, der von den Ortsbewohnern eher nicht frequentiert wird. Wir sind ein Mädchen und zwei Buben. Das Mädchen, sie ist ein Jahr älter als ich, macht uns mit glänzenden Augen den Vorschlag 'Doktorlex' zu spielen. Ich weiß nicht, was das ist. Sie erklärt mir, dass man dabei das Leiberl hinauf und das Unterhoserl hinunter zieht, damit man den Bauch wie der Herr Doktor behandeln kann. Sie zeigt es uns vor und wir Buben machen es ihr nach. Für mich ist das so ungewohnt, dass ich zögere, den Bauch des Mädchens, geschweige denn etwas anderes anzurühren. Aber ich lasse mich 'behandeln'. Dabei steigt ein prickelndes Gefühl in mir hoch. Als sie meinen Kollegen betreut, schaue ich zu und beginne an der Sache Vergnügen zu finden. Ich lege meinen Kopf auf den Bauch des Mädchens und höre sie ab, was uns beiden lustvollen Genuss bereitet. Leider müssen wir aufhören, weil jetzt eine Frau aus dem Dorf näher kommt. Bevor sie uns wirklich sehen kann, ziehen wir uns wieder an. Etwas Scham mischt sich mit der Angst, entdeckt zu werden. Nie wieder ergibt sich solch eine Gelegenheit …

Meine erste Liebe jedoch ist um ein Jahr jünger als ich und schenkt mir keine Beachtung. Da ist vielleicht einer der Gründe für meine Sehnsucht nach ihr. Bei ihr liegt mein Augenmerk darauf, dass sie mich zunächst einmal überhaupt zur Kenntnis nimmt und dann, das sie sich mit mir unterhält, mit mir spielt, mir zugetan ist. Davon ist keine Rede. Im Gegenteil: sie lacht mich aus, als ich vor ihren Augen beim Ausprobieren meines neuen Fahrrads einen Stern reiße. - Meine Mutter bittet den Dorf-Schuster darum, mein Firmpate zu werden. Er ist nämlich der einzige, bei dem sie außer beim Greißler und beim Metzger einkauft. Als ich in Erfahrung bringe, dass seine Tochter das für ihn machen wird und dass sie auch die Patin für meine große Liebe ist, kann ich meine Erregung nicht bezähmen. Meine Erwartung wird nicht enttäuscht, weil ich im Volkswagen meiner Godl zwischen den Erwachsenen, die uns zur Feier im Nachbarort begleiten, ganz eng neben ihr sitzen darf und in Körperkontakt komme. Leider sind diese Momente, die mich viel mehr als die Zeremonie der Firmung bewegen, schnell vorbei. Meine Liebe ist nicht ganz vorbei und bewegt mich immer noch dazu, für sie in der Hauptschule kurz vor Schulbeginn ihre zur Hausarbeit verlangte Landkarte meiner nachzuzeichnen. Aus dem erleichterten Dankeschön meiner Angebeteten wird nichts, gar nichts. Schade!

Eine neue Erfahrung mache ich, als ich bei der Heuarbeit für einen befreundeten Bauern von den Knechten dazu eingeteilt werde. das Heu auf dem Heuwagen so anzuordnen, dass es beim Transport nicht herunterfällt oder gar den Wagen zum Kippen bringt. Ich mit meinen 10 Jahren mache das sehr ordentlich. Die junge Magd, die zusammen mit mir auf dem Heuwagen herumstampft und -kriecht, leitet mich gekonnt dazu an. Als die Knechte das Heu weiter weg zusammenrechen und in einer Plane für den Transport verstauen müssen, lassen sie uns mit einer Jause zurück, die wir liegend auf dem Heuwagen zu uns nehmen. Als sie wieder zurückkommen, fragt uns einer von ihnen: "Was habt Ihr denn gemacht? Habt Ihr die Zeit gut genützt und habt Ihr Euch umarmt und abgebusselt? Egon, anstatt Deiner hätte ich da sein müssen!
Tauschen wir das nächste Mal?" Obwohl mir irgendwie bewusst ist, dass dahinter nur übermütiger Scherz steckt, stelle ich mir doch vor, wie das wäre, wenn wir es tatsächlich gemacht hätten. Aber die Magd ist 17 und verärgert.


Heuwagen
Kartenspiel

Obwohl ich mich immer mehr zum Draufgänger entwickle, bin ich mit meinen 14 Jahren einmal - ganz ungewöhnlich - der Zweite. Ein Kollege von mir lädt mich dazu ein, in der Nacht mit ihm aus dem gemeinsamen Schlafsaal hinauszuschleichen. - Eine Dachluke werde extra für uns offen gehalten, um in eine Privatwohnung hineinzugelangen. Da wäre - so sagt er mir - eine Familie mit einer netten Mutter und einem hübschen Mädchen in unserem Alter. Er verheißt mir, dass wir uns da beim Kartenspiel gut unterhalten und das Leben genießen können. - Tatsächlich: die Frau Mutter ist alleinstehend und offen in ihrer Art. Sie bietet uns einen Fruchtsaft an und ist auch bereit, für uns einen Tee zu kochen. Aber das dauert uns zu lange. Wir sitzen nebeneinander auf der Couch und kuscheln uns zusammen: ich zwischen den beiden Gastgeberinnen und fühlen uns wohl. Bald fangen wir tatsächlich an, Karten zu spielen. Eineinhalb Stunden lang schnapsen wir und trinken jetzt doch einen Tee. Schließlich wird es für uns Zeit zum Aufbruch. Wir machen uns wieder auf den Weg zurück durch die Dachluke über lange und breite Klostergänge zum gemeinsamen Schlafsaal unserer Schulkollegen. Einer von ihnen bemerkt uns offensichtlich, ist aber zu schlaftrunken um unsere Herumschleicherei tatsächlich wahrzunehmen. Müde fallen wir in unsere Betten. Was das Reizvolle daran ist? Es passiert, verbrämt mit dem Flair des Verbotenen und im Bewusstsein, besonders viel Mut zu haben.

Ein Jahr später bin ich, zusammen mit meiner Mutter in einem Blinden-Erholungsheim in St. Georgen am Reith. Ich gehe - mehr oder weniger freiwillig - mit meiner Mutter ein bisschen spazieren. Ich lese ihr und einer Gruppe von Blinden, die sich in wenigen Tagen gebildet hat, zwischen Gabelfrühstück und Mittagessen Romane vor und freue mich, wenn es ihnen gefällt. Nach dem Mittagessen kann ich die drei - vier Stunden für mich selber verwenden. Ich spiele also mit den anderen Kindern, die als Begleitpersonen für Blinde mitgekommen sind, was ich und Buben in meinem Alter halt spielen: Mädchen necken, Mädchen necken und Mädchen necken. Ja bei sonnigem Wetter gehen wir baden. Es gibt eine Badehütte, die dem Blindenheim gehört und wofür wir den Schlüssel bekommen. Galant wie wir jungen Männer schon sind, lassen wir den Mädchen den Vortritt und warten, bis sie sich umgezogen haben. Als sie in ihren Badetrikots herauskommen, gehen wir in die Umkleidekabine und entledigen uns der Kleider. Bevor wir noch unsere Badehose anziehen, hören wir von draußen Getuscheln und sehen durch die Spalten der Holzhütte, wie die Mädchen zu uns hereinschauen. Jetzt verhalten wir uns besonders leise und hören gerade noch, wie eine von ihnen sagt: "Der hat doch einen hübschen Hintern!" Offensichtlich ist meiner gemeint. Das hebt meine Stimmung und meine Brust schwillt an. Ich fühle mich als der große Zamapano, dem niemand widerstehen kann. Was ist das doch für ein herrliches Gefühl!! - Dabei bleibt es allerdings auch.



kostenfrei

Das ist das Feedback zu dieser Episode:
Titel-Tipps:

Elisabeth:
"Die Phatasie der Unschuld stiehlt der Realität die Show"
Bea:
"Ein schöner Hintern kann entzücken… - ein Mädchenbauch tut’s auch!"
Gerti:
"Der kleine Sexualrat"
Catriel:
"Peeping Egon"
Helmut:
"Frühkindliche Phantasien und Irrtümer"
Catriel
"In jedem Knaben, schon mit sex Jahren steckt ein heilloser Mann."
"In jedem echten Mann ist ein Kind versteckt. (Zarathustra)"
"Kleiner Mann - ganz groß"
Lottte:
"Der Schlingel in mir"
"Was sollte ich sonst beichten?"
Helma:
"Klein-Egon früh auf der Pirsch"
"So sind die Männer!"

Kommentare (autorisiert):

Catriel:
"Das Doktor spielen gefällt mir, dazu kam ich erst in etwas späteren Jahren. Meine allererste Kinderliebe mit sechs Jahren war ein Dorfkind, wie ich, aus Rodaun. Die habe ich nur von weitem angebetet. 1938 schon in Wien liebte ich hündisch eine holde Maid, durfte ihre Schultasche tragen. Wäre ich nicht so g'schamig und ahnungslos in der Kommunikation mit dem anderen Geschlecht gewesen, hätte es schon was Handfesteres werden können. Ja - das "hätt' i, warat i " hat mich noch Jahre lang vom romantischen Treiben ferngehalten. Ich beneide dich nachträglich um deine aufregenden Heuwagen-Erlebnisse, wie jugendlich, kindlich wunderbar."

Elisabeth:
"Wie schön ist diese Geschichte doch zu lesen, von Gefühlen, die den Wert der Realität weit übersteigen und von Träumen, die alle Vorstellungen übertreffen, solange sie unerfüllt bleiben."

Helma:
"DOKTOR spielen? Leiberl rauf und Hoserl runter? Unglaublich! In diesem jugendlichen Alter hätte ich solche Gedanken als 'unanständig' verdrängt."