Episoden aus meinem Leben

24. Splitter - Ich bitte um einen passenden aussagekräftigen Titel

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Ich bin Juvenist - oder wie man heute sagen würde Internatsschüler - im Kloster der Serviten in Volders. Jedenfalls zähle ich zu den Aufgeweckteren unter meinen Kollegen. Außerdem bin ich einer der Ältesten und folglich auch einer der Schneidigsten. Beim Essen, aufgetischt von der jungen Serviererin, nehme ich neckisch Blickkontakt mit ihr auf. Ein Wort ergibt das andere. Aus harmlosen Reden im Kreise der anderen werden schmeichelhafte Anspielungen unter vier Augen. Das Mädel ist beeindruckt und erwidert meine sinnlichen Blicke.

Ermutigt durch ihr Lächeln und ab und zu durch ihr zartes Erröten flüstere ich ihr in einem unbeobachteten Augenblick zu: "Treffen wir uns doch heute um Mitternacht zu einem lauschigen Zusammensein! Wo schlägst Du vor?" Da wir uns beide in Küchennähe am besten auskennen - Direktbesuche sind ja nicht möglich - empfiehlt das anmutige, reizvolle Objekt meiner Begierde den Speisesaal für unser Treffen. Ich bin sofort einverstanden, denn wer lange zögert, geht weit fehl. Sie ist eine beherzte Maid und ich ein draufgängerischer Knabe von - sage und schreibe - vierzehn Jahren.

Schlafsaal
Zehn Minuten vor Mitternacht ziehe ich mir im Bett unter der Decke Hemd und Überhose an und begebe mich vorsichtig auf meine abenteuerliche Tour. In unserem Schlafsaal sind wir zu fünfunddreißig und entsprechende Vorsicht ist geboten. Plötzlich jedoch tappe ich im Finstern an einen Bettfuß und verursache damit einen unüberhörbaren Lärm. Der betroffene Kollege brummt im Halbschlaf vor sich hin: "Kannst nicht aufpassen?" Tunlichst vermeide ich darauf zu antworten, gehe weiter und täusche einen Gang auf die Toilette vor. Vor dem Schlafsaal brauche ich etwas weniger Rücksicht zu nehmen, sehe ich doch die Umrisse der einzelnen Gegenstände im Mondlicht durch die großen Klosterfenster zur Genüge und eile schnellen Schrittes am WC vorbei, um bei meinem Rendezvous nicht zu spät zu sein.

Wie ich in die Nähe des Speisesaales komme, taucht bereits meine Angebetete auf. Sie hat offensichtlich schon einige Zeit gewartet und ich bin eine Spur zu spät dran. Am naheliegenden Fenster bemerke ich eine gewisse Enttäuschung in ihrem Gesicht. Ich bin tief erschreckt. Aber als sie bemerkt, dass ich mich tatsächlich an mein Stelldichein halte, erhellt sich sofort ihr Gesicht durch ein zaghaftes Lächeln. Ich nehme sie sanft an der Hand und ziehe sie durch die riesige zweiflügelige Tür in den Speisesaal. Zur Sicherheit sperre ich sie noch von innen zu, damit wir gefeit sind vor unwahrscheinlichen aber doch möglichen Nachtschwärmern. Dann setzen wir uns auf eine Fensterbank, die vom Mond hell erleuchtet ist.

Bevor ich noch eine zärtliche Berührung bei meiner Partnerin ansetzen kann, zieht sie eine große Tafel Schokolade aus ihrer Schürzentasche und reicht sie mir mit leuchtenden Augen. Mir gefällt, dass sie sich freut, aber interessieren tut es mich nicht. Im Gegenteil, ich finde es im Moment richtig hinderlich, bedanke mich aber trotzdem angemessen. Dabei jedoch streichle ich schon über die Haare meiner Verführerin, die sie normalerweise zu einem kunstvollen Zopfkranz gebunden trägt, jetzt aber als dunkelblonde frei fließende Locken. Ich beuge mich etwas über die doch etwas kleinere Gespielin und berühre - sanft und zärtlich - mit meinem volllippigen Mund den ihren. Spontan weckt das die Leidenschaft in dem sonst so schüchternen Mädchen. Sie nimmt meinen Kopf in ihre Hände und erwidert meine Küsse leidenschaftlich …

Nach geraumer Zeit werde ich mutiger und wage, ihre - bedeckten - Brüste zu berühren. Doch das wehrt sie entschieden ab und meint, sie müsse jetzt sofort gehen. Natürlich sehe ich ein, dass sie, katholisch wie sie ist, auch sittsam sein muss. Aber das Ende ist mir doch zu abrupt. Wir knabbern nur mehr ein bisschen an der Schokolade, mehr aus Verlegenheit, denn aus Gusto. Schließlich verabschieden wir uns mit einer leidenschaftlichen Umarmung und einem Kuss, der nicht enden will.

Am Rückweg zum Schlafsaal habe ich noch eine brenzlige Situation zu meistern. Im Trakt, in dem die hochwürdigen Patres und die ehrwürdigen Brüder ihr Schlafgemach haben, tritt der älteste der geistlichen Herren aus seinem Zimmer. Wie froh bin ich doch, dass er zu seinem weißen Vollbart auch dickwandige Brillen mit vielen Dioptrien tragen muss. Ich vertraue daher meiner Eingebung, bleibe einfach stehen und drücke mich ganz regungslos an die Wand. Tatsächlich überstehe ich die Situation, unbemerkt von dem hageren Greis, der mittlerweile die Toilette erreicht hat. Die Rückkehr in unsern Schlafraum ist unkompliziert.

Das geplante Abenteuer ist gelungen und harrt weiterer wagemutiger Unternehmungen.

Beichtstuhl

Beichten werde ich dieses aufregende Abenteuer nicht …


kostenfrei

Das ist das Feedback zu dieser Episode:
Titel-Tipps:
Helmut:
"Ein Internat, das Prickelndes zu bieten hat"
Lotte:
"Nächtliches Abenteuer"
Bea:
"Gelungen"
"Wer wagt, gewinnt "

G.:
"Frühreifes Früchtchen "
Gerti:
"Nächtliches Naschen von Küssen und Nüssen" (in der Schokolade)
Brigitte:
"Früh übt sich, was ein Womanizer *) werden will" (* Charmeur, Eroberer, Frauenheld - beliebig einzusetzen)
"Meister im Verführen" (frei nach Willhelm Tell)

Kommentare (autorisiert):
Lotte:
"Man weiß schon, dass du es nicht lassen kannst. Es ist köstlich, wieviel Risiko du für dieses Abenteuer in Kauf genommen hast. Allein bis Mitternacht munter zu bleiben, war sicherlich nicht einfach."
Ursula:
"Mir gefällt, daß Du Deine kleinen Geschichten einfach nur nummerierst. Oft sind ja mehrere Erinnerungen miteinander in einer Geschichte verwoben, so daß keine eindeutige Überschrift alles zusammen fassen kann."
Gerti:
"So ein erstmaliges Treffen und Küssen - noch dazu hinter Klostermauern - hat schon etwas Besonderes und Unvergessliches. Das haben wir alle erlebt, jedoch nicht hinter Klostermauern."
Trude:
"Als ich das gelesen habe, glaubte ich, es sei eine andere Person. In Hohenlehen haben wir nämlich alle festgestellt, dass Du mit Deinen 19 Jahren ein fescher Bursche bist, aber fast wie ein Heiliger, Unnahbarer, der ganz sicher die Priesterlaufbahn einschlagen wird. - Schwer getäuscht!!!!!
Aber so ist Dein Leben eben verständlicher, weltlich und gut."

Helma:
"Natürlich bin ich froh, dass Du keine Minderjährige verführen wolltest und im Häfen dafür schmachten musst."