Episoden aus meinem Leben

28. Splitter - Ich bitte um einen passenden aussagekräftigen Titel

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Trotz des Gelübdes der Armut, das ich im Kloster abgelegt habe, trachte ich jetzt im Jahr 1970, frisch verheiratet, doch danach, Geld zu verdienen. Ich muss ja schließlich eine Familie ernähren.

Mein Vorstellungsgespräch bei der neuen Firma in Wien verläuft sehr positiv für mich. Ich soll als Angestellter der Exportabteilung bereits ab Beginn meiner Anstellung um 20% mehr verdienen als bisher in der oberösterreichischen Modeschmuck-Firma. In meiner Euphorie über diesen Gehaltssprung entgeht mir, dass mein neuer Chef nach Erkundigung über meinen bisherigen Gehalt seiner Sekretärin meinen Dienstvertrag mit einer handschriftlichen Notiz zurückgibt und eine Neuausstellung verlangt. Erst später wird mir bewusst, dass diese Ausbesserung das Gehalt betroffen haben musste.

Sehr bald bemerke ich, dass diese 20%-ige Erhöhung nicht reicht, um die Ausgaben für mich, meine Frau und meinen Stiefsohn zu decken. Ich nehme einen Kredit auf. Ich muss mich um die Anforderungen meiner Frau kümmern. Und ich muss ihre Vorwürfe aushalten, wenn mir das nur unzureichend gelingt. Vier Monate später, als die Geburt meiner Tochter bevorsteht, suche ich um eine Gehaltserhöhung an. Sie fällt eher mager aus. Was sind denn schon 17% Zusatzverdienst? Ich nehme noch einen Kredit auf. Ich bin am Verzweifeln. Ein Jahr später gibt es wieder eine 17%-ige Gehaltserhöhung. Aber auch im Jahr 1972 reicht dieses Einkommen nicht zum Auskommen. Immer mehr wird mir bewusst, dass mir das "Eingeständnis" meines Gehalts in der ehemaligen Firma tatsächlich nachhängt.

Der Kauf von Einrichtungsgegenständen, bestehend hauptsächlich aus Selbstbau-Möbeln, belastet unsere Finanzen genauso wie die Kosten für unser gemeinsames Auto. Ich komme immer mehr in die Bredouille.

Obwohl mir meine Arbeit gefällt und meine unmittelbare Chefin meine Arbeit sehr schätzt, fasse ich den Entschluss zu kündigen, um eine andere Firma zu finden, die bereit ist, mir mehr zu bezahlen. Ich schaue mich also um und finde eine Firma etwas außerhalb von Wien, die mich als Exportsachbearbeiter zu einem angemessenen Gehalt einstellt. Mir wird bewusst, dass meine Forderung eines um 55% höheren Gehalts durchaus im Rahmen ist. Hier in dieser Firma erkennt man auch die Vorteile, die sich durch meine mannigfaltigen Sprachkenntnisse ergeben.

Das Leben wird leichter, wenn auch nicht unbeschwert. Es gilt die angehäuften Schulden abzutragen. Oft bin ich zu Besuch in unserer Bankfiliale, um Gespräche über Umschuldungen zu führen. Trotzdem leisten wir uns Urlaube am Land und ein zusätzliches Auto, das ich brauche, um täglich in diese Firma zu fahren.

Meine Frau verliert ihren Job und wir sind nun auf mein Einkommen angewiesen, das sich trotz oder wegen aller Firmenwechsel erfreulicherweise positiv entwickelt. Doch das Bargeld, das ich meiner Frau nach Hause bringe, verflüchtigt sich immer rascher.

Bullterrier

Tochter mit Bullterrier Kilauea
Schisport

Kinder mit Schiausrüstung

Für den Wintersport unserer Kinder bin ich zuständig und besorge die erforderlichen Gerätschaften wie Schier, Rodeln, Schlittschuhe und passende Kleidung. Das ist eine übliche Investition in die sportliche Ausbildung unserer Kinder. Ich finanziere auch einige Exemplare von reinrassigen Bullterriern, die meine Gattin auf Hundeausstellungen zeigt. Für sportliche Aktivitäten unserer Kinder im Sommer zeichnet meine Frau verantwortlich. Sie bekniet mich, ein Reitpferd für unsere Tochter zu kaufen. Das Einstellen und die Reitstunden verschlingen einiges Geld, aber Frau und Tochter haben damit ihr Vergnügen, meine Tochter beim Reiten und meine Frau beim Zuschauen und Organisieren. Ich selber bin aufgrund meiner beruflichen Verpflichtungen selten bis nie dabei Es wird an Springreitturnieren teilgenommen, wofür ein zweites Pferd notwendig ist. Jetzt habe ich das "Vergnügen", den geborgten Pferdeanhänger zu chauffieren. Das Einparken stellt dabei meine Fahrkünste auf eine schonungslose Probe. Bereitwillig, wenn auch etwas zögerlich beherzige ich die verschiedenen Vorschläge meiner Ehegattin. Ich will schließlich meiner Familie alles bieten, was sie sich wünscht.

Dressur-Stunde

Tochter beim Dressurreiten
Bullterrier

Bullterrier Mascha


Mit den aufgenommenen Krediten muss ich geschickt jonglieren, um nicht in große Schwierigkeiten zu geraten. All das belastet mich und mein Konto zusätzlich. Am Ende des Zusammenlebens mit meiner Gemahlin macht sie eine Erbschaft und ich habe - trotz eines ansehnlichen Gehalts – weniger finanzielle Mittel als vor meiner Ehe mit ihr.

Erneut erinnere ich mich an mein Gelübde der Armut, geleistet vor "ewig" langer Zeit. Offensichtlich wirkt es bis heute nach.

Erst die Frau meines Lebens, der ich nach meinem Auszug aus der bisherigen Familien-Wohnung begegne, veranlasst mich erfolgreich, sämtliche Kredite abzutragen.




kostenfrei

Das ist das Feedback zu dieser Episode:
Titel-Tipps:
Ursula:
„Weiß man, wozu ein Umweg gut ist?“
Helmut:
„Für einige Jahre verlor ich – geblendet durch ein neues Umfeld –
das rechte Augenmaß und Abrahams Worte an den reichen Prasser“

WW:
„Drum prüfe, wer sich 'ewig' bindet ...“
Bea:
„Das liebe Geld“
„Geldsorgen“
„In Geldes Nöten“
„…arm oder reich… denn vor dem Herrn sind alle gleich…“
„Kredite über Kredite“
„Was kostet die Welt?“
„Ja spinnt denn die Welt!?“

Kommentare (autorisiert):
WW:
"Der alte Herr Geheimrat hatte wohl schon recht (und er ist letztlich für alles, was sich so ereignen mag, gut): Ich darf ihn mehrfach zitieren?

'Wie oft schon wiederholt sichs! Wird sich immerfort / Ins Ewige wiederholen.' (Verse 7012-7013) Faust II, 2. Akt, Klassische Walpurgisnacht)

Oder, wie wärs mit dem: "Alt wird man wohl, wer aber klug? / Warst du nicht schon vernarrt genug?" (Verse 7212-7213, ebenda)

Auch: "Wer lange lebt, hat viel erfahren, ..." (Vers 6861, Faust II, 2. Akt, Laboratorium)

Und wie wärs mit dem? "In solchem Fall sind alle Männer dumm:" (Vers 6522, Faust II, 1. Akt, Rittersaal)

PPS: alle Zitate alternativ als Titelvorschläge zu gebrauchen ... ;-)“