Episoden aus meinem Leben

29. Splitter - Ich bitte um einen passenden aussagekräftigen Titel

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Maria_Luggau
Gnadenbild_Luggau
Wallfahrtskirche Maria Luggau Gnadenbild Maria Luggau

Bedingt durch einen Unterbruch meines Theologiestudiums aus gesundheitlichen Gründen bin ich in einem anderen Serviten-Kloster eingegliedert. Es handelt sich um Maria Luggau, dem Kärntner Wallfahrtsort der Diener Mariens, ganz nahe bei Osttirol. Meine Genesung ist schon etwas fortgeschritten. Trotzdem verpasse ich nicht nur das Wintersemester, sondern auch die zweite Hälfte des akademischen Jahres. Niemand drängt mich und auch ich setze keine Initiative, mein Studium früher zu beginnen. Ich genieße diese Auszeit.

Das Kloster ist groß genug, Pilgergruppen zu beherbergen; die Klosterschwestern sind gut geschult und überaus gottergeben. Sie bekochen die Wallfahrer erstklassig und betreuen sie mit viel Geschick und Charme.

Heute ist eine Mädchenklasse zu Gast, die mit uns Kirchenmännern im weitläufigen klösterlichen Speisesaal zu Abend isst. Die Klassenlehrerin setzt sich im Besprechungsraum mit dem Pater Prior zusammen, um Details für den morgigen Tag zu besprechen. Der andere Pater ist in seinem Alter zwar schon im Ausgedinge, erfüllt aber immer noch alle priesterlichen Aufgaben, die hier an diesem Wallfahrtsort vermehrt anfallen. Am Abend jedoch verabschiedet er sich wie jeden Tag und erfreut sich im Dorfgasthaus an einem Viertel Rotwein.

Ich gehe noch nicht. Ich warte nämlich noch genauso wie die fünfzehn Mädchen auf das Dessert. Es gibt Orangen. Wir alle sind damit beschäftigt, sie zu schälen. Einige von den Hauptschul-Abgängerinnen benützen die Gelegenheit, sich gegenseitig mit den Orangenschalen zu bewerfen. Ich bin übermütig. Auch ich werfe Orangenschalen in Richtung der Mädchen. Rasch wird daraus eine Schlacht, bei der ich die meisten Treffer abbekomme. Ich fühle mich dabei ziemlich verrucht, trage ich doch die Klosterkutte inmitten dieser ausgelassenen Schar von halbwüchsigen Mädels und vergnüge mich dabei. Endlich gehe ich in meine Zelle, nicht ohne unter lautem Mädchen-Kichern einige Orangenschalen nachgeworfen zu bekommen.

Niemand ist gefeit vor Krankheiten, auch Ordensleute nicht. Mich erwischt eine Influenza. Diese virale Infektion fesselt mich ans Bett und reißt mich aus dem üblichen Tagesablauf. Ich kann weder am Chorgebet noch bei der alltäglichen Messe teilnehmen. Auch zum Essen kann ich nicht zu meinen Mitbrüdern ins Refektorium, den gemeinsamen klösterlichen Speisesaal, kommen.

Ordensleute
Zelle_Maria_Luggau
Ordensleute der Diener Mariens Klosterzelle Maria Luggau

In allen anderen Klöstern unseres Ordens, die ich kenne, gibt es Laienbrüder, die die Aufgabe einer Krankenbetreuung übernehmen. Hier gibt es anstatt dessen Ordensfrauen, die dann neben kochen und servieren auch pflegen. Die jüngere der beiden Klosterschwestern wird - von wem auch immer - für die Pflege des Frater Clemens Maria, also für meine Betreuung eingeteilt.

Sie ist dafür zuständig, mir die Mahlzeiten ans Bett zu bringen, mir die Laken zu richten und mich aufzumuntern. Sie erledigt alles vorbildhaft und nimmt sich auch viel Zeit dafür. Offensichtlich tut sie es gerne. Sobald sie die rein pflegerischen Belange erledigt hat, setzt sie sich zu mir an die Bettkante, um mit mir zu plaudern. Als sie eine Falte im Leintuch sieht, bückt sie sich über mich, um sie zu richten. Mir gefällt dieser nahe Kontakt sehr und im ersten Impuls ziehe sie soweit heran, dass sie auf mir zu liegen kommt. Einen Moment lang lässt sie mich gewähren, genug, um mich ihren Duft riechen zu lassen, genug, um ihren weichen Busen zu spüren, genug, um mein Herz höher schlagen zu lassen.
Abrupt löst sie sich von mir, steht auf und wendet sich zum Gehen. Aber sie lässt es zu, dass ich sie an der Hand zurückhalte. Sie setzt sich wieder auf die Bettkante und lässt mich zögerlich aber doch gewähren, als ich sie umarme. Beide finden wir Gefallen an dieser Situation und genießen ausführlich das, was uns verboten ist. Ja, wir wollen mehr. Ich will ihre nackte Brust berühren und sie hat nichts dagegen. Allerdings stellt sich heraus, dass die Nonnenkleidung nicht umsonst so eng konzipiert ist. Trotzdem schaffe ich es, durch den Halsausschnitt hineinzulangen. Viel Bewegungsfreiheit ist freilich nicht vorhanden. Und allein die Tatsache, dass Ordensschwestern keinen Büstenhalter tragen, lässt einen begrenzten Erfolg zu.

Ich bin wieder gesund und treffe zufällig meine "Krankenschwester" ohne Beisein eines anderen. Von sich aus erzählt sie mir, dass sie unsere gewagte Eskapade gebeichtet hätte. Doch in ihren Augen kommt Niedergeschlagenheit zum Ausdruck, denn für diese Sünde war ihr keine Absolution erteilt worden.

Aufgrund dieser Tatsache beschließe ich, mein Fehlverhalten einfach zu vergessen und es nicht zu bekennen.



kostenfrei

Das ist das Feedback zu dieser Episode:
Titel-Tipps:
Bea:
„Typisch Katholen“
Brigitte:
„Aus den Augen - aber nicht aus dem Sinn!“
Hannelore:
„Immer im Widerspruch“
Gerti:
„Der Revoluzzer und Beichtverweigerer“
Johanna:
„Verbotene Früchte“
WW:
„Das Ewig-Weibliche zieht uns hinan"
(Faust II., Bergschluchten, Verse 12110 - 12111)



Kommentare (autorisiert):
Trude:
„Also hatte ich doch recht, dass Du Priester werden wolltest. Aber - wie man hier ersehen kann - wärst Du nicht glücklich geworden, weil Deine 'weltlichen' Seiten einfach zu überschüssig waren.“
Helmut:
„Ich verspürte Europas 'naturbelassenstes' Tal schon frühzeitig,
noch bevor das Lesachtal dieses Prädikat erhielt.“

„Zum Thema 'Vergessen' (des Fehlverhaltens) reizt mich auch der Hinweis auf die erst seit über einem Jahr dort geweihte „Pforte der Bamherzigkeit.“
Hannelore:
„Schon wieder eine Geschichte, die lustig endet: ich beichte es nicht!
Welch Kloster-Revoluzzer!“