Episoden aus meinem Leben

34. Splitter - Ich bitte um einen aussagekräftigen Titel

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Ich bin achtzehn und Gymnasiast am Bundesgymnasium in der Innsbrucker Angerzellgasse. Mein neues Zuhause ist das Internat im Kloster der Serviten in der Maria-Theresen-Straße.

Ich habe Schwierigkeiten, mich an meine Ideale zu halten. Ich erzähle es zwar nicht herum, aber die aufkeimende Sexualität bereitet mir doch einige Probleme. Ich gebe meine Überzeugung, ein keusches Leben führen zu wollen, nicht so mir nichts, dir nichts auf.


Selbstbefriedigung

Ist das aber auch stimmig? In mir regen sich die Zweifel, ob all das, was uns als erstrebenswert angepriesen wird, tatsächlich nachahmenswert ist. Ich beginne, manche Gebote und vor allem diejenigen, die sie uns erteilen und vorleben, kritischer zu sehen.

In diesem Zusammenhang bemerke ich, dass Pater Pius ungeniert unseren Präfekten an manchen Abenden mit einer Flasche Rotwein, Sardinen und anderen Leckerbissen aufsucht, was uns „normal Sterblichen"nicht gestattet ist.

Besonders paradox finde ich die Tatsache, dass unser Koch, Bruder Nikolaus mit dem grau melierten Spitzbart, am Freitag - im Kloster ist jeder davon ein Fasttag - zum Fisch ein Bier serviert. Ich mache das nicht offen zum Thema, sondern genieße es, zumindest einmal in der Woche Alkohol trinken zu dürfen.

Bei alkoholfreien Getränken allerdings kenne ich keinerlei Vorschrift, die deren Genuss verbieten würde. Es gibt auch niemanden, der das tut. Deswegen haben wir uns entschlossen, regelmäßig Coca Cola zu trinken. Wer organisiert das? Ich entwickle mich zum tüchtigen Geschäftsmann und bin derjenige, der sich dieses Getränk kistenweise liefern lässt, lagernd hält und anschließend weiterverkauft. Wird das auch später zu meinem Repertoire gehören? Werde ich künftig gekonnt Klöster verwalten?

Wenn aber meine sexuellen Probleme akut werden, suche ich nach einem Ausweg. Innere Zweifel regen sich in mir, es geht mir schlecht. Ich kann mich nicht auf meine üblichen Aufgaben konzentrieren. Also gebe ich nach und befriedige mich selbst.

Ich weiß, dass solche Handlungen absolut nicht vereinbar sind mit einem künftigen Leben im Zölibat, wofür ich mich ja entschieden habe. Also beichte ich - manchmal zwei- bis dreimal in der Woche - diese meine Verfehlungen. Mein Vertrauen auf dieses probate Mittel der katholischen Religion führt aber zu nichts. Der Pater, den ich mir zum Beichtvater aussuche, ist unser Organist und Chorleiter. Er ist vertrauenserweckend und erteilt mir jedesmal die Absolution, nicht ohne mir Mut zuzusprechen. Das ist zwar beruhigend, bringt mich aber keinen Schritt weiter. Ich bin ob dieser Erfolglosigkeit verzweifelt.

Da fallen mir Details aus der Geschichte der Serviten ein, die in der Schilderung gipfeln, dass spätere Leitfiguren der Ordensgemeinschaft den Teufel durch Selbstgeißelung ausgetrieben haben. Wenn es denen etwas genützt hat, warum sollte es nicht auch mir gelingen? Wie stelle ich das aber konkret an?

Wie gelenkt durch göttliche Fügung fällt mir eine vielgliedrige Kette zum Auf- und Zuziehen von schweren Vorhängen in die Hände. Am Ende derselben ist eine hölzerne Kugel mit einem Durchmesser von zirka sieben Zentimetern, geschmückt durch Ziernägel mit spitz zulaufenden Köpfen. Prompt schießt mir durch den Kopf, ich könne dieses Instrument im Falle einer neuerlichen Versuchung als Geißel verwenden. Vielleicht komme ich so eher an das von mir angepeilte Ziel der absoluten Makellosigkeit. Freilich schlafe ich in einem großen Raum zusammen mit fünf meiner Schulkameraden. Als ich aber dieses Folterwerkzeug zum ersten Mal verwende, stellt sich heraus, dass mein massiger Rücken das Geräusch des Schlagens so weit abdämpft, dass keiner von ihnen erwacht. Vielleicht hat mich diese Situation jedoch dazu veranlasst, nicht mit ungebremsten Schwung auf mich einzudreschen. Mit anderen Worten: diese Methode stellt sich nach mehrmaliger Anwendung als unzureichend heraus und hilft mir nicht, meinen Versuchungen zu widerstehen.

Wie wird das wohl weitergehen?



kostenfrei

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Titel-Tipps:
Hannelore:
„Lust oder Geißel?“
Helmut:
„Nur der liebe Gott allein weiß,
welches Samenkorn austreibt und welches abstirbt“



Kommentare (autorisiert):
Hannelore:
„Damals sehr schwerwiegende Themen,
heute zum Schmunzeln!"