Episoden aus meinem Leben

46. Splitter - Ich bitte um einen aussagekräftigen Titel

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Ich bin empört, dass mich meine Chefs damit beauftragt haben, gleichzeitig dreizehn (!) unnötige Projekte zu bearbeiten. Ich soll zwei Jahre vor der Zeit „freiwillig“ in Pension gehen.

Das verleiht mir den Enthusiasmus, mich anderweitig zu engagieren. Ich will - sofort und gleich - der Webmaster für meine Frau werden. Mein Freund und Kollege, der meines Wissens nie eine Ausbildung zum Erstellen einer Homepage gemacht. hat, hat das ja auch geschafft!


Webmaster trainingskompetenz

Die nähere Beschäftigung damit lässt mich jedoch erkennen, dass das doch nicht so einfach ist. Offensichtlich hat sich mein Freund - ruhig und unauffällig wie er ist - sehr intensiv mit diesem Thema befasst und kann mittlerweile Internetseiten ganz ohne direkte Anleitung erstellen. Für meine Frau und meine Tochter hat er insgesamt drei Web-Auftritte entwickelt.

Für mich ist das unvorstellbar. Trotz meiner sprichwörtlichen Geduld bin ich dazu nicht imstande. Ist das die EDV-technische Intelligenz, die mir fehlt? Das ist aber keine passende Ausrede, habe ich doch ein kompliziertes Programm für eine umfassende Preisberechnung in der und für die Firma erstellt.

Meinem Freund, diesem unvermuteten Genie, ist es nicht zu verdenken, dass er die Arbeit mit den Ausbesserungen und Ergänzungen nicht machen will. Demgemäß schult er mich, als er meine Ambitionen erkennt, kollegial auf diese herausfordernden Aufgaben ein und hinterlegt mir bei kritischen Punkten sogar eine persönliche Notiz in den Dateien, wo die kompliziertesten Einstellungen vorgenommen werden. Dort kann ich dann auch zielgerichtet neue Seiten hinzufügen und die Form des Web-Auftritts verändern.

Mein Know-how hält sich also in Grenzen, unbegrenzt ist hingegen mein Optimismus. Das ist immer wieder hilfreich. Das eine oder andere Telefonat ist zwar noch erforderlich, aber dann pack ich’s an. Selbst ist der Mann!

Schon die ersten gröberen Änderungen bereiten mir Schwierigkeiten. Nach einer Eingabe kann es sein, dass der Text der betroffenen Seite überhaupt nicht mehr zu sehen ist. Der HTML-Text ist verfügbar. Was also ist passiert, dass der Klartext nicht mehr zu sehen ist? Ich sehe als einzige Möglichkeit, um das Problem zu lösen, den Entschluss, sämtliche Änderungen zu verwerfen und neu zu beginnen. Ich bin richtig zornig und versuche nicht einmal, den Ärger vor meiner Frau zu verbergen. Sie ist beunruhigt und zweifelt zurecht an meinen Sachkenntnissen. Bald beginnt meine Geduld Früchte zu tragen. Ich vermeide solche Fehler und wenn mir das auch erst beim dritten oder vierten Mal gelingt. So etwas nennt man Learning by Doing.

Mit der Zeit bin ich nicht mehr auf das Kopieren bestehenden HTML-Texts angewiesen. Ich lerne Element um Element dieser Sprache kennen und fühle mich schon als Fachmann, als ich weiß, dass „<br>“ neue Zeile, „<b>“ fett und „<i>“ kursiv bedeutet. Ich weiß auch, wie man Bilder in die passende Größe bringt und hochlädt, wie man Tabellen anlegt und Links einflicht. Die Genugtuung ist groß. Gerne höre ich jetzt, wenn mich meine Frau „Webmaster“ nennt.

Seit 2013 schreibe ich aufgrund meiner neu erworbenen Kenntnisse die Newsletters meiner Frau in HTML und verschicke sie dann über eine professionelle Firma. Bei den „Splittern“ habe ich schon die erforderliche Routine und weiß, wie ich vorgehen kann und wie ich vorgehen muss, um die Episoden aus meinem Leben zu den Lesenden zu bringen. Somit kann ich auch die Rückmeldungen relativ schnell und entspannt beantworten. Es bleibt mir sogar genügend Zeit, um neue „Splitter“ vorzubereiten, zu schreiben und von meiner Frau lektorieren zu lassen.

Beim Betreuen der Homepages überraschen mich immer wieder neue Schwierigkeiten. Zu meiner Freude gelingt es mir (fast) immer, diese zu beheben.

Was überhaupt nicht schwierig ist, aber außerordentlich zeitaufwendig, habe ich durch reinen Zufall entdeckt. Einen der vielen erforderlichen Vorgänge habe ich unnötig verkompliziert und bin erst vor ein paar Monaten auf meinen Zeitverlust aufmerksam geworden. Wieviele Stunden, ja Tage habe ich durch meine laienhafte Vorgangsweise in den vergangenen zwölf Jahren vertan. Unzählige Arbeits- oder Mußestunden sind da verloren gegangen!

Wie vor meiner Pensionierung arbeite ich jetzt auch mit großem Engagement an zahllosen Projekten, aber hintereinander, freiwillig und mit großer Genugtuung, und nur wenn sie sinnvoll sind. Das macht Freude und bereichert den Zeitraum meines Lebens, der unter Alter zusammengefasst wird.


kostenfrei
Das ist das Feedback zu dieser Episode:
Titel-Tipps:
Lotte:
„Neue Perspektiven“
Helmut:
„Digitale Kenntnisse im Alter sind ein Geschenk sui generis an sich selbst“
Antal:
„Spät übt sich, was ein Meister werden will“
Bea:
„Selbst ist der Mann“
„Selbständig“
„Sinnvoll“
Fritz:
„Der überaus flexible Webmaster"
Brigitte
„Man(n) reift mit der Zeit - trotz imaginärem Zeitverlust“
Gerti:
„Auch im reifen Alter stellt man fest ... selbst ist der Mann“

Kommentare (autorisiert):

Antal:
„Kann es sein, daß wir in fortgeschrittenem Alter unduldsam und starrsinnig werden - etwa wenn wir Vorgänge und Projekte in unseren, nunmehr ehemaligen, Firmen als "unnötig, idiotisch, unprofessionell, zu nichts führend" etc. bezeichnen? Oder haben wir recht, und es ist die Weisheit des Alters, die uns das so eindeutig (ab-) qualifizieren lässt?
Wie auch immer - die Freiheit, danach seinen eigenen Prioritäten und Freuden zu folgen, ist viel wert und lässt noch Sinnvolles entstehen!
"
Ernst:
„Sich mit verlorenen Kilometern auseinanderzusetzen führt ins Leere und tut einem nicht gut. Auftretende Schwierigkeiten zu meistern trägt zum Selbstvertrauen bei und führt zur Horizonterweiterung, ist bereichernd und lehrreich."