Episoden aus meinem Leben

47. Splitter - Ich bitte um einen aussagekräftigen Titel

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Pfeife Pfeife

Es ist 2009. Seit Jahrzehnten rauche ich und bin - wie sich das eben so entwickelt - richtig süchtig geworden. An und für sich stört mich das nicht. Ermutigt durch die vielen positiven Bemerkungen über den Duft meiner Pfeife genieße ich das unmäßige Rauchen und das Wohlwollen meiner Mitmenschen. Das hat sich bereits in der Zeit entwickelt, in der man noch am Arbeitsplatz rauchen durfte. Speziell meine Kollegen schätzen das angenehme Aroma der Pfeife sehr, bietet es doch eine willkommene Abwechslung zum Zigarettenrauch.

Bekannt für mein „Hobby“ werde ich - sogar von meinen internationalen Kunden - erkannt, sobald man „meinen“ Tabak wittert. Aber auch dann, wenn ich gerade keine Pfeife im Mund habe, bemerken meine Gesprächspartner - sofern sie keine Raucher sind - dass ich selber nach meinem erlesenen Tabak rieche.

Doch jetzt erinnere ich mich an die Warnung eines vorausschauenden Gesundheitsapostels - oder war es eine ebensolche Prophetin gewesen? - die von Kehlkopfkrebs und dessen Folgen handelt. Bis jetzt habe ich mich eher vor Lungenkrebs gefürchtet, aber nachdem ich mit der Pfeife keine Lungenzüge machen, war das keine Veranlassung, von meiner lieb gewonnenen Gewohnheit abzulassen. Jetzt also überkommt mich die Angst vor dieser Bedrohung meiner Gesundheit.

Ich sehe mich vor meinem geistigen Auge als Pensionisten, dessen Stimmbänder betroffen sind und der daher nur mehr mit Zeichensprache oder Notizblock und Bleistift kommunizieren kann. Zeichensprache kann zwar mit verschiedenen Körperteilen ausgeführt werden und auch für schriftliche Kommunikation werden unterschiedliche Hilfsmittel verwendet, aber an einer solch misslichen Situation ändert das nichts, aber schon gar nichts, Es bleibt zwar das Vertrauen in die ärztliche Kunst, aber laut übereinstimmenden Auskünften aus dem Internet bleiben trotz Behandlung beim ersten Auftreten von Symptomen, zwar geringfügige, aber bleibende Schäden zurück. Ich überlege also ernsthaft, ob ich nicht selber vorbeugende Maßnahmen ergreifen soll, damit so etwas nicht passiert.

Uns steht ein zweiwöchiger Urlaub mit unseren zwei jüngsten Enkelkindern bevor und ich beabsichtige, diese Zeit der Ruhe und Entspannung dazu zu nützen, meinen Pfeifenkonsum auf - sage und schreibe - Null zu reduzieren. Mir ist bewusst, dass das nicht ohne intensive Konzentration auf dieses Thema funktionieren kann. Auf Anhieb geht gar nichts!

Wir fahren also nach Schlierbach. Dort haben wir ein Ferienhaus gemietet. Unsere jungen Kindeskinder werden von ihren Eltern aus Bayern gebracht. Sobald Sohn und Schwiegertochter (für mich mit einem „Stief-„ versehen) uns wieder verlassen haben, beginnen die tatsächlichen Ferien. Wir genießen abwechslungsreiche Waldspaziergänge, vergnügliches Planschen im Schwimmbad der Anlage und passende Gesellschaftsspiele.

Das ist also die Atmosphäre, die ich für mein Vorhaben nutzen kann. Ich habe mir fest vorgenommen, niemandem davon zu erzählen. Ich halte es nämlich für kontraproduktiv, dabei Ratschläge von jemandem anderen zu erhalten. Außerdem muss ich mich dann nicht rechtfertigen, wenn ich es nicht schaffen sollte.

Zunächst brauche ich nur weniger zu machen, nämlich weniger als fünfzehn bis zwanzig Pfeifen pro Tag zu rauchen. Erfreulicherweise gelingt mir das erstaunlich gut. Im Wald ist das Rauchen ohnehin verboten. Es zusammen mit Kindern in geschlossenen Räumen zu tun, verhindert die angebrachte Rücksichtnahme. Es braucht nur etwas Beharrlichkeit, um mein Ziel nicht aus den Augen zu verlieren. Ich rauche nur mehr fünf bis drei Pfeifen am Tag.

Dann aber geht es ans an den Kern meines Vorhabens. Jetzt will ich gezielt die Pfeife am Vormittag auslassen. Das kostet Überwindung. Ich komme an die Grenzen meiner Belastbarkeit. Entgegen meiner Absicht, niemanden in meinen Plan einzuweihen, verrate ich mich durch meine schlechte Laune, meine Unduldsamkeit.. Die Enkelkinder, ein Bub und ein Mädchen, bemerken das als allererste und gehen mir aus dem Weg. Zumindest habe ich solch einen Eindruck. Trotzdem halte ich es durch.

Jetzt kommt der Schritt, der mir auch die Nachmittags-Pfeife verbietet. Ich bin noch unruhiger und unkonzentrierter im Umgang mit den Kindern und überlege mir schon, dass es besser wäre heimzufahren, damit der Urlaub für die anderen nicht gestört wird.

Anstatt heimzufahren versuche ich jedoch, mein Vorhaben abzukürzen. Ich nehme mir fest vor, heute meine letzte Pfeife zu rauchen. Am Abend setze ich mich auf den Holzboden, der unser Haus umgibt. Ich zünde mir meine Lieblingspfeife aus Meerschaum an.

Ich will diese letzte Pfeife mit möglichst viel Genuss rauchen. Aber der Gedanke daran, dass ich nie mehr eine Pfeife rauchen werde, lässt mich schaudern. Ich halte die Pfeife nur mehr mit meinen Zähnen fest und verwende meine abgewinkelten Arme dazu, meinen Frust zu bekämpfen. Meine Finger krümmen sich, meine Arme verkrampfen und erzittern zusammen mit meinem ganzen Körper - fast wie in Todesangst …

Diese Pfeife ist zu Ende geraucht. Ich habe es tatsächlich geschafft.

Wieder angekommen in Wien in unserer Wohnung komme ich unwillkürlich wieder in Versuchung. Hier stehen die Ständer mit meinen vielen Pfeifen. Hier liegen noch einige volle Tabakdosen herum. Hier ist die gesamte Einrichtung noch von meinen Rauchgewohnheiten imprägniert. Aber ich bleibe standhaft. Nichts davon kann mich dazu bewegen, den so hart erkämpften Erfolg wegzuschmeißen. Selbst die Bemerkung meiner Frau, ich würde nicht mehr so gut riechen wie früher, ringt mir nur ein selbstsicheres Lächeln ab.

Bald fühle ich mich wohl, pudelwohl und stolz auf meine Leistung. Ich bin zum überzeugten - wenn auch nicht militanten - Nichtraucher geworden.


kostenfrei
Das ist das Feedback zu dieser Episode:
Titel-Tipps:
Gina:
„Meine letzte Pfeife – Duft ade!“
„Rauchen – nein danke!“
„Wie ich mir das Rauchen abgewöhnte – eine Anleitung“
Brigitte:
„Meine letzte Pfeife – Duft ade!“
„Duell mit mit dem eigenen Schweinehund"
„Duell mit einer Sucht - gewonnen!“
Antal:
„Die wahren Abenteuer sind im (Kehl-)Kopf“
Helmut:
„Sieg im Kampf gegen mich selbst!“
Ernst:
„Leider ist der Wille oft stark, allein das Fleisch ist schwach.“

Kommentare (autorisiert):

WW:
„Wenn ich heute eine Zigarette auch nur schon von der Ferne rieche, geht mir das G´impfte auf. Aber: Ich bin kein militanter Antiraucher. Wie sich unsere Vitae doch gleichen ... "
Helmut:
„Alkohol und Nikotin,
rafft die halbe Menschheit hin,
ohne Alkohol und Rauch,
stirbt die andre Hälfte auch
"
Trude:
„ Nun habe ich ein reine Lunge und wer weiß, wenn ich so weiter geraucht hätte, ob ich noch leben würde."
Gerti :
„Guter Duft ade! Aber Sieg im Kampf mit sich, super!"
Antal:
„ Nach Dutzenden Fehlversuchen in all den Jahrzehnten davor hat es in meinem Kopf „klick” gemacht, und es war dann relativ einfach, den Blödsinn zu lassen."
Catriel:
„Toll sahst Du aus mit Deiner Pfeife, hätte gerne auch einmal an Deinem erlesenen Tabakaroma geschnuppert, zu spät. Aber Hut ab vor Deinem superklugen Entschluss. Ich, der nie in meinem leben geraucht habe, den Zigarettenmief meiner Umwelt unfreiwillig geniessen durfte, begrüße Dich zur edlen Gesellschaft der Nichtraucher."