Episoden aus meinem Leben

48. Splitter - Ich bitte um einen aussagekräftigen Titel

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Wir wollen Weihnachten mit einem Kurzurlaub fern von zu Hause verbringen. Zypern ist unser Ziel.

Wir begeben uns auf die Reise. Für meine Geliebte ist es eine der ersten Flugreisen. Ich bin durch jahrelange Erfahrung bereits routiniert. Unser Ausflug endet fürs Erste in Athen, also innerhalb der EU. Erst als wir nach Zypern weiterfliegen wollen, bemerken wir unser Missgeschick: unbedarft haben wir statt des Passes für meine Begleiterin, meinen zweiten Pass, den ich manchmal für Geschäftsreisen brauche, eingesteckt. Das bereitet auch kein Problem bei der Ausreise am Wiener Flughafen, dort werden die vorgewiesenen Pässe nicht einmal angesehen.

Aber Zypern liegt (noch) nicht in der EU. Ohne Pass kann man dorthin nicht einreisen. Schnell entschlossen machen wir aus der Not eine Tugend. Als Alternative bietet sich ein Flug nach Rhodos an. Auf in das Ferienparadies, die Insel Rhodos! Im Zuge der Umbuchung veranlasse ich, dass uns das Gepäck nach Rhodos nachgesandt wird, was man mir auch prompt zusichert.

Apropos neues Urlaubsziel Rhodos: wir treffen dort am 23. Dezember ein und finden Quartier in einem spartanischen Hotel für Inlandsreisende. Alle Luxus-Hotels haben um diese Zeit geschlossen. Um dem Ganzen doch noch einen Touch von Honeymoon zu geben, regt meine Liebste an, das Zimmer-Service in Anspruch zu nehmen Ich bestehe darauf, dass wir in den Speisesaal des Hotels gehen, um dort etwas zu uns zu nehmen. Sie lehnt zunächst zwar kategorisch ab,
geht dann aber doch mit. Aber sie ist ziemlich missgelaunt und redet fast kein Wort, wobei sie sich damit selber am meisten bestraft. Das ist natürlich der Stimmung von uns beiden nicht zuträglich. Unser Hotelzimmer ist nun weit davon entfernt, als Liebesnest gelten zu können.

Am Abend des 24. Dezember möchten wir uns ein üppiges Abendessen gönnen. Auf der Suche nach einem passenden Restaurant schlendern wir rund um das Hotel. Ja, wir finden drei Speiselokale. Aber alle liegen im Finstern und sind geschlossen.

Unsere ohnehin etwas getrübte Weihnachtsstimmung wird durch Hunger noch trüber. In unserer Verzweiflung entdecken wir endlich ein kleines Bistro, in dem Menschen beim Essen zu sehen sind. Wir bleiben kurz davor stehen, um uns zu vergewissern, ob wir hier endlich unseren Hunger stillen können. Wir sind noch nicht sicher, ob dieses Lokal für Gäste geöffnet ist, da fordert uns ein freundlicher Herr auf, einzutreten. Gerne nehmen wir diese Einladung an, zumal wir schon sehr verzweifelt sind. Man lässt uns niedersitzen und betreut uns liebevoll. Allmählich dämmert uns, dass wir in ein Familienfest geplatzt sind. Wir kommen uns - passend zum Datum - wie auf einer geglückten Herbergsuche vor. Nicht einmal zahlen lässt man uns. Wir sind tief gerührt.

Weihnachten  Poncho

An den nächsten beiden Tagen, dem Weihnachts-Feiertag und dem Stephanie-Tag, haben alle Geschäfte geschlossen. Es gibt also keine Möglichkeit, uns etwas zum Anziehen zu kaufen. Unser Gepäck liegt - wie ursprünglich vorgesehen - in Paphos. Trotz meiner Anordnung am Athener Flughafen, uns das Gepäck nachzuschicken, kommt es nicht, weder am 25. noch am 26. Dezember. Ich schiebe es auf die Situation, bedingt durch die Feiertage, und bleibe gelassen, ohne gleich weitere Anfragen zu stellen. Meine Geliebte jedoch fordert mich, der ich doch besser Englisch spräche als sie, dazu auf, sofort etwas zu unternehmen. Im Bewusstsein der feiertagsbedingten Situation lasse ich mich nicht dazu überreden.

Endlich - beunruhigt durch solch ein eindringliches Ersuchen im Ton einer Drohung - beende ich am 26. Dezember meine lethargische Haltung im Bezug auf unser Gepäck. Es kommt am nächsten Tag.

Jetzt erst wird mir bewusst, wie absurd ich mich verhielt, indem ich stur bei meiner vorgefassten Meinung blieb, um mich dann in stoisches Schweigen zu hüllen! Langsam dämmert mir, wie schrecklich das für eine Frau, die gewohnt ist, Probleme sofort auszudiskutieren, sein muss. Ich schäme mich.

Offensichtlich kann sie in diesem Moment trotz meines unmöglichen Verhaltens erkennen, dass es mir leid tut. Sie ist nun wieder freundlich und liebevoll wie immer. Zwar überrascht mich dieser unvermittelte Sinneswandel, aber ich genieße ihre verständnisvolle Haltung nach all dem Vorgefallenen. Ich bin wieder guten Mutes.

Die Koffer sind da. Die Läden haben offen. Endlich können wir uns in Ruhe umsehen und auch etwas einkaufen. Meine
Lebensgefährtin hat - was für ein Glück für mich - ihre Enttäuschung überwunden und kauft sich einen wunderschönen Poncho.

Mit anderen Worten: wir genießen den Rest unseres Urlaubs als versöhntes Liebespaar in vollen Zügen.


kostenfrei
Das ist das Feedback zu dieser Episode:
Titel-Tipps:
Bea:
„Weihnachtsstimmung trotz Hindernissen“
„Weihnachten einmal anders“
„Weihnachten in Griechenland“
„Fröhliche Weihnachten!“
Helmut:
„Wer einmal eine Reise tut, der kann auch was erzählen!“
Brigitte:
„Weihnachten - Fest des Friedens und der (Nächsten-)Liebe!“
Hannelore:
„Herbergsuche wider Willen“


Kommentare (autorisiert):

Brigitte:
Zum Glück war das bei Euch mit dem Rückflug nicht so einfach!"
Gerti:
Weihnachtsstimmung dahin? Aber eine Patnerin, die all diese Umstände erlebt, erträgt und ohne Schaden aushält, ist super fürs Leben. - Festhalten!"