Episoden aus meinem Leben

55. Splitter - Ich bitte um einen aussagekräftigen Titel

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Sexualität war stets und ist immer noch aufregend für mich.

Dieser Gedanke überkommt mich auch heute im Jahr 2017 beim nochmaligen Betrachten des (Sex-) Films „Die Lust der Frauen“, bei dem ich gemeinsam mit meiner Frau mitgemacht habe.

Zunächst - während meiner Klosterzeit - ist jede Art von Sex, auch der Gedanke daran aufregend, weil Geschlechtlichkeit für mich ein absolutes Tabu-Thema darstellt. Solange ich nur mit mir selber kämpfe, ist es meine Privatsache und trotz aller Aufregung erträglich. Auch Mädchen und Frauen ändern nicht viel daran, solange sie meine Entscheidung akzeptieren. Allerdings steigt die Spannung, sobald Frauen auftauchen, die sich nicht darum kümmern. Meine Erregung bei der Bändigung meiner Begierde steigt und nimmt mein Bewusstsein gefangen. Ich wehre mich zwar erfolgreich dagegen, widme dem Thema jedoch mehr Aufmerksamkeit und Zeit.

Meine erste, frühzeitig gescheiterte Ehe bringt insofern etwas Abkühlung in die Problematik, als die letzten sieben Jahre davon ohne sexuellen Kontakt ablaufen. Das ist eine Tatsache, die ich über meine Arbeit in der Firma zu vergessen versuche. Doch nach dem unvermeidlichen Auszug aus der gemeinsamen Wohnung wird für mich Sexualität wieder zum Thema. Nach Ablegen der Zwangsjacke, die ich mir selbst zum Schutz vor außerehelicher Begehrlichkeit angelegt habe, bricht die Lust darauf über mich herein.

Bald schon lerne ich eine attraktive Frau kennen und verliebe mich in sie. Voll Enthusiasmus heiraten wir und ich bin überglücklich. Sechs Jahre Altersunterschied zwischen 41 und 47 Jahren sind nicht viel, aber unsere so unterschiedliche Biografie bringt doch Probleme, die auch beim Film „Die Lust der Frauen“ zur Sprache kommen.

Mein Schatz lässt sich fast ohne Zögern dazu bewegen, als Akteurin bei diesem Film mitzuwirken. Dabei soll das Sexualleben fünf älterer Frauen beleuchtet werden. Sie, die einzige Verheiratete braucht freilich mein Einverständnis, weil unsere Beziehung Thema sein soll. Im Gegensatz zu anderen Männern willige ich gern ein und unterstütze meine Liebste.

Die Vorbereitung zu den Dreharbeiten, die sich insgesamt auf zirka zwei Jahre verteilt, beginnt. Aber erst bei der Vor-Premiere erfahren wir, dass es sich bei den jeweiligen Partnern der anderen Protagonistinnen um jüngere, exotische, wechselnde Partner oder eine gleichgeschlechtliche Partnerin handelt. Alle sind unverheiratet. Sie erzählen davon, dass man ihnen in ihrem fortgeschrittenen Alter keinen Sex mehr zutraut respektive zubilligt.

In den Abschnitten über uns sieht man, wie wir gemeinsam am Markt einkaufen, obwohl wir das eigentlich immer getrennt machen, meine Geliebte am Markt und ich in den Supermärkten. Man sieht uns zusammen bei der Arbeit in der Küche. Auch hier verhält es sich ein bisschen anders: sie kocht (ausgezeichnet) und ich räume (danach) auf.
Man erlebt uns sehr offen und sieht uns bei gegenseitigen Liebkosungen und wie ich zärtlich die Füße meiner Liebsten massiere. Das stimmt tatsächlich und passiert auch heute noch täglich.

Spannend wird es, als mein Schatz über unsere Beziehung spricht und zwar davon, dass ihr vorheriger Ehemann ein großartiger Sexpartner war. Überschwänglich wird sie jedoch, als sie strahlend davon schwärmt, dass sich ihre anfängliche Verliebtheit in mich im Laufe der Zeit zu Liebe gewandelt hat. Ich frohlocke, als mir bewusst wird, dass meine Frau im Film öffentlich würdigt, was sie mir schon immer versichert hat. Sie macht auch deutlich, dass ich ihr Herz mit liebevoller Zärtlichkeit gewonnen habe. Besonders schätzt sie, dass ich ihr jede mögliche Freiheit gewähre und sie so nehme, wie sie ist.

Ein Stachel bleibt allerdings. Sie erwähnt die Krisen in unserer Beziehung. Als Grund gibt sie ihre Empfindung an, von mir nicht begehrt zu werden. Die wichtigste Person in meinem Leben erwartet sich mehr sexuelle Zuwendung von mir. Beim Zuhören überkommt mich tiefe Niedergeschlagenheit wegen der Thematisierung meiner Verklemmtheit.

Doch sie bewundert mich dafür, dass ich in meinem Alter eine Therapie zum Aktivieren meiner Sinnlichkeit besucht habe. Sie ist - so sagt mein Sonnenschein - davon überzeugt, dass die gescheiterte Ehe meiner Eltern und das leibfeindliche Klima des Klosters die Ursache für mein seltsames Verhalten sind.

Heute, beim neuerlichen Betrachten des Films habe ich keinen Grund mehr, frustriert zu sein, weil die Sexualität für beide von uns an Wichtigkeit verloren hat. Aufregend bleibt sie immer noch.

kostenfrei
Das ist das Feedback zu dieser Episode:
Titel-Tipps:
Bea:
"Aufregendes Empfinden“
"... über die schönste Sache der Welt“
"Intime Einblicke“
Brigitte:
"Sexualität begleitet uns ein Leben lang“
"Sexualität ein Leben lang in uns - ein Auf und Ab“
"Sexualtiät - jeder Mensch darf für sich bestimmen, wie er sie in sein Leben einbaut“
"Sexualität - jeder Mensch soll für sich bestimmen dürfen, wie er sie in sein Leben einbaut“

Kommentare (autorisiert):

Brigitte:
Sexualität ist die Geschlechtlichkeit, die allen Lebewesen von Geburt an mitgegeben ist. Unter Sex versteht man die praktische Ausübung von Sexualität. Da das im Sprachgebrauch und auch oft aus Unwissen um die Differenzierung vermischt wird, habe ich schon oft lange Diskussionen miterlebt - mit offenem Ende."