Episoden aus meinem Leben

57. Splitter - Ich bitte um einen aussagekräftigen Titel

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Frauen in der Arbeitswelt sind manchmal so und manchmal anders.

Meine Chefin ist eine Frau und stellt mir, dem Neuling in der Firma Edelglas, Aufgaben, um mich in das Geschehen einzubinden. Sie leitet den Verkauf und bleibt weiterhin für Lieferungen an Großhändler in Österreich und Deutschland zuständig. Sie spricht nur Deutsch. Mich schult sie in alle Details ein, die ich brauche, um unsere Artikel fachmännisch verkaufen zu können. Damit fühle ich mich gut betreut. Ich bringe die Fremdsprachen mit.

Bald schon besuche ich Kunden in Benelux, Abnehmer in Skandinavien sowie solche in England, Frankreich und Portugal. Auch unseren Klienten in USA und Kanada, an die wir hauptsächlich Weinheber verkaufen, mache ich meine Aufwartung. Allerdings behält sie sich vor zu entscheiden, welchem meiner Großhandelskunden ich eine Mustersendung schicken darf und wem nicht. Solche Auflagen missfallen mir, missfallen mir sehr.

Daher kommt es mir sehr entgegen, als sie - aus welchen Gründen auch immer - kündigt. Ich werde zwar nicht Verkaufsleiter, diesen Posten übernimmt interimsmäßig der Geschäftsführer selber, aber es entbindet mich von unnötigen Kontrollen, die mir nicht nur Zeit rauben, sondern auch mein Image beeinträchtigen.

Jetzt jedoch wird mir das Leben von anderer Seite erschwert. Meine Kollegin in der Versandabteilung lässt meinen Auftrag für eine dringende Mustersendung einfach liegen. Sie meint, dieser Auftrag wäre ihr nicht so wichtig erschienen. Üblicherweise bin ich in allen Situationen entgegenkommend, rücksichtsvoll und leise. Jetzt aber bringt mich diese Weigerung auf die Palme. Wutentbrannt schleudere ich den betreffenden Akt auf den Boden der Versand-Halle und schreie sie an: „Glauben Sie, Sie können entscheiden, was wichtig und dringend ist?“ Prompt wird mein Auftrag jetzt ausgeführt. Geht also doch!

Nach dem Abgang meiner Chefin kommt eine bezaubernde junge Frau zu meiner Hilfe. Fast gleichzeitig tritt ein hochgewachsener amerikanischer Basketballspieler bei uns ein, engagiert von unserem Geschäftsführer, der auch Basketballtrainer ist. Die neue Assistentin ist sehr tüchtig und übernimmt die Arbeit, die unser Amerikaner nicht so gut bewältigen kann. Sie ist eine echte Stütze.

Da unsere Geschäfte gut laufen, wird eine zweite Assistentin für mich eingestellt. Sie soll mit mir eine öffentliche Präsentation unserer Produkte zeigen. Da die Vorbereitung auf diese für uns so wichtige Demonstration viel Zeit kostet, vereinbaren wir, uns am Samstag im Büro zu treffen. Ich setze mich zu ihr. Es entgeht mir nicht, dass an der Bluse meiner attraktiven Kollegin ein Knopf mehr offen ist als üblich. Doch erst im Moment, als sie ihr Knie an meines anlehnt, ohne es wieder zurückzuziehen, erkenne ich, das es sich um ein offenkundiges Angebot handelt. Ich erschrecke gehörig.

Meine jahrelang gelebte Überzeugung, Sex und selbst Erotik seien für mich verboten, spielen dabei eine wesentliche Rolle. Darüber hinaus bin ich gerade einmal seit fünf Jahren verheiratet. Ich erhebe mich langsam und teile meiner Mitarbeiterin im Stehen mit, dass jeder für sich einen Teil des Konzepts gemäß einer groben Einteilung erstellen soll.

Als wir an der Geschenkartikel-Messe in Frankfurt teilnehmen, wird mir als zusätzliche Unterstützung eine Kollegin zur Standbetreuung beigestellt.
Nach unserer Ankunft in Frankfurt dekorieren wir gemeinsam unseren Messestand. Tags darauf wird die Messe eröffnet und die ersten Kunden besuchen uns. Ich bin darauf vorbereitet, die Vorzüge unserer Glaswaren anzupreisen. Dabei kommt es darauf an, die Attraktivität der leder-ummantelten Gläser, die Ästhetik formschöner Vasen und die Vorzüge unserer bereits weltweit bekannten Weinheber ins rechte Licht zu rücken.

Weinspender

Ich erwarte mir von dieser Kollegin, dass sie ähnlich agiert. Daher überrascht es mich umso mehr, dass sie sich - ohne Absprache mit mir - nur darauf konzentriert, alle säumigen Klienten mit entsprechendem Nachdruck auf ausständige Zahlungen hinzuweisen. Dazu nimmt sie eine Liste zur Hand, auf der alle Details geschrieben sind. Kurz gesagt: sie tritt nicht als Verkäuferin, sondern als Eintreiberin von Außenständen auf.

Ich selber lasse solche Themen zu einem geeigneten Zeitpunkt in mein Verkaufsgespräch einfließen. Aber so wird mir die Möglichkeit eines einfühlsamen Hinweises genommen. Vor den Kunden kann ich nicht anfangen, mit ihr darüber zu diskutieren. Aber auch in einem Moment, in dem wir allein sind, fruchten meine Einwände nicht. Mit dem Hinweis, unser gemeinsamer Chef hätte das von ihr verlangt, setzt sie ihre Vorgangsweise fort. Ich bin empört und koche innerlich vor Wut über dieses Ränkespiel.

Was mich tröstet, ist die angenehme Stimme der in Österreich gebliebenen verlässlichen Mitarbeiterin am Telefon. Ihr kann ich vertrauen. Und sie versichert mir, dass sie die von mir angeforderten dringenden Mustersendungen prompt veranlassen wird. Nach meiner Rückkehr stelle ich fest, dass sie das alles neben ihren normalen Aufgaben wunschgemäß erledigt hat.

Frauen in der Arbeitswelt sind eben manchmal so und manchmal anders.

kostenfrei
Das ist das Feedback zu dieser Episode:
Titel-Tipps:
Bea:
"F R A U E N!"
"Immer diese Frauen!"
"Frauen in der Arbeitswelt"

Lotte:
"Der Weinheber"

Helmut:
"Ach das Studium der Weiber ist schwer…“
(Lehar hatte in seiner „Die lustige Witwe“ absolut Recht)


Kommentare (autorisiert):

Bea:
Kleine Anmerkung: beim letzten Satz im 10. Absatz fehlt möglicherweise am Ende ein "auf"."
Lotte:
Frauen sind anders gestrickt als Männer. - Es freut mich auf jeden Fall, dass es dir gelungen ist, die Zusammenarbeit mit den Frauen durch positive Beispiele nicht ganz so schlecht zu beurteilen. - Übrigens vor Jahren habe ich glaube ich auf einem Flohmarkt genau so einen Weinheber erstanden. Es hat mich daran die Technik fasziniert, dass der Wein nur rinnt, wenn das Glas dagegenhalten wird."