Episoden aus meinem Leben

60. Splitter - Ich bitte um einen aussagekräftigen Titel

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Schirennen   Papiermaschine

Der Entschluss ist gefasst. Ich ziehe aus. Jetzt geht es nur um die Umsetzung. Im sechzehnten Wiener Gemeindebezirk, in der Maroltingergasse miete ich mir eine Einzimmer-Wohnung mit Klo am Gang und zwei Fenstern zur Rankgasse.

Ich nehme mir etwas Garderobe und ein paar Erinnerungstücke mit. In einem schwarzen Sack stellt mir meine bisherige Partnerin eine Pfanne und anderes Geschirr fast wohlwollend zur Verfügung. Mein Auto überlasse ich meiner Familie.

Ich bin also darauf angewiesen, dass mir ein Arbeitskollege zusammen mit seiner Frau ein paar Tage später hilft, die restlichen persönlichen Sachen mit ihrem Auto abzuholen und in meine neue Unterkunft zu bringen. Es ist kein normaler Umzug, bei dem man die Transportgüter vorher verpackt. Über dem Arm oder verstaut in ein paar Säcken tragen meine selbstlosen Helfer die paar Gegenstände in ihr Auto. Ich helfe mit.

Auch in meinem neuen Zuhause bleibt es dabei: ich helfe mit. Der Kollege streicht mir die Wände. Sein Sohn hält die Leiter und seine Frau ist die Eifrigste, die mit reinigender und ordnender Hand zugreift. Ich mache ein bisschen mehr als zuzuschauen.

Von einer anderen Kollegin erhalte ich neben Zuspruch eine Decke, mit der ich aus meinem Bett ein Sofa für tagsüber machen kann. Bei dieser Schlafgelegenheit muss nur das Bettzeug verstauen, zusammenklappen muss ich sie ohnehin nicht, weil sie nur für eine Person gedacht ist. Diwan-Polster ergänzen den gemütlichen Eindruck.

In wohl durchdachter Verteilung hänge ich einige geschenkte Bilder an die Wand darüber. Dabei handelt es sich um das Gemälde einer Sonnenblume und jenes einer Winterlandschaft.

Gegenüber steht ein Schreibtisch und eine Anrichte mit Türen im korrespondierenden ansprechenden Dekor. Oberhalb verziere ich die Wand mit dem Foto der PM 3, der ältesten Papiermaschine der Firma Neusiedler, die nicht mehr lange, aber derzeit immer noch in Betrieb ist. Außerdem gibt es hier die Erinnerung an die 14. Neusiedler Schi-Meisterschaften im Jahr 1986, die wir von unserer holländischen Vertretung IMEXO Holland erhalten haben. Es ist - stilgerecht für die Niederlande - eine Kachel, die einen Schifahrer mit Zipfelmütze und einer Papierrolle unter dam Arm zeigt.

In Fensternähe steht ein Schmiedeeisen-Gestell, das an den dafür vorgesehenen Plätzen 3 Topfpflanzen umschließt. Mir bleibt genug, sogar mehr Platz als in der gemeinsamen Familienwohnung im neunten Wiener Gemeindebezirk.

Alle meine Besucher finden, dass ich eine sehr schmucke, anheimelnde Wohnung habe, die jederzeit für Besuche geeignet ist. Voll Überzeugung schließe ich mich dieser Meinung an. Bis dato habe ich meinen Besucherinnen und Besuchern außer passenden Getränken nichts kredenzt, weil ich als Gastgeber ungeübt bin, was man mir huldvoll nachsieht. Eines Tages stellt mich mein Ehrgeiz vor die Aufgabe des Hausherrn, ein ausgesuchtes Abendessen für vier Personen anzubieten. Aber wie?

Kochen kann ich nicht, aber für den Kauf eines Brathuhns reichen meine Kenntnisse und Finanzen. Reis gehört dazu. Am einfachsten scheint mir ein solcher im Kochbeutel zu sein. Aber selbst das übersteigt meine äußerst bescheidenen Fertigkeiten auf diesem Gebiet. Als ich diesen reisgefüllten Sack auf einen Kochlöffel hänge und verzweifelt dreinschaue, erlöst mich eine der geladenen Besucherinnen aus dieser Situation. Zum Salat stelle ich nur die Essenzen und Gewürze zur Verfügung und informiere meine Gäste, dass in Italien - wo ich lange gelebt habe - der Salat vom Gast selber mariniert wird. Neben Bier und Wein kredenze ich auf Wunsch auch Limonade und ganz einfaches Wiener Hochquellen-Wasser. Der Abend wird ein Erfolg. Für mich bleibt er der Höhepunkt, den ich als Gastgeber in dieser Wohnung erlebe.

Meine gemütliche Wohnung ist der Grund dafür, dass die Frau, für die ich mich besonders interessiere, neugierig wird und bereit ist, mich näher kennen zu lernen.


kostenfrei
Das ist das Feedback zu dieser Episode:
Titel-Tipps:
Helmut:
"Pause zur Selbstfindung mit Klo am Gang“
Beat:
"Klein aber fein“
Brigitte:
"Liebe geht (nicht immer nur) durch den Magen“
"Umzug und Neustart“
"Innenarchitekt und Haubenkoch - Not macht erfinderisch“

Kommentare (autorisiert):

Brigitte:
„Es ist so herzerfrischend, an deinen (nicht immer nur positiven) Lebenssituationen teilhaben zu dürfen, da aus dem eigenen Leben immer wieder Situationen auftauchen, die doch schmunzeln lassen. So habe ich meinen halbwüchsigen Söhnen einmal das Plakat aufgehängt "Wer Hunger hat, der kann auch kochen". Hat gewirkt !! Wie ich mit großer Freude feststellen kann, bist auch du nicht verhungert !! Weder körperlich noch seelisch !"