Episoden aus meinem Leben

82. Splitter - Ich bitte um einen aussagekräftigen Titel

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Ich freue mich über jeden Titel oder Kommentar und über jeden, der künftig die Splitter regelmäßig erhalten wollen. Bitte alles an: egon.biechl@chello.at
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Whist   Whist ist ein Kartenspiel, das ich leidenschaftlich gerne spiele. Fast könnte man meinen: Ich bin süchtig danach.
Deshalb wünsche ich mir als Geschenk zu meinem 70. Geburtstag, dass alle verfügbaren Kinder und Enkelkinder samt Partnerinnen und Partnern mit mir eine Runde Whist spielen.


Der Tisch wird ausgezogen, damit wir zu zwölft Platz haben. Vier Spielkarten-Pakete zu je 52 französischen Karten werden bereitgestellt. Die Zeit für eine Partie schätzen wir auf zwei Stunden. Nachher stellt sich heraus, dass es doch um eine halbe Stunde mehr geworden ist. Für mich ist dieses Treffen äußerst lustvoll. Ich kann so viele lieb-gewonnene Familienmitglieder um mich scharen und mich darüber freuen, dass sie sich dazu animieren lassen, mir eine Monsterpartie Whist zu schenken.

Zum Verständnis des Spiels: Wir spielen mit üblichen Rummy-Karten ohne Joker. Ein Spiel dauert 15 Runden. Bei der ersten Runde werden an jede mitspielende Person 15 Karten verteilt, bei der nächsten Runde 14 bis nur mehr eine Karte im Spiel ist. Nach dem Verteilen der Karten in jeder Runde wird die oberste Karte im verbleibenden Stoß umgedreht. Deren Farbe gilt als Trumpf. Dieser Trumpf bietet die Möglichkeit, dann, wenn die Person keine passende Farbe zugeben kann, diesen Stich für sich zu beanspruchen. Es muss nicht „gestochen“ aber immer die passende Farbkarte zugegeben werden. Jeder Stich bringt einen Punkt. Jede mitspielende Person muss vorher sagen, wieviel Stiche sie machen wird. Wenn man die Zahl errät, gibt es zusätzlich 10 Bonuspunkte. Die höhere Karte sticht die niedrigere. Im Fall, dass zwei gleiche Karten zusammentreffen, schlägt die zweite. Gewonnen hat die Person mit den meisten Punkten.

Freilich gebe ich zu, dass Spiele in überschaubaren Rahmen mit weniger Beteiligten abwechslungsreicher sind. Wir genießen üblicherweise Whist zu dritt, zu viert, zu fünft oder manchmal auch zu sechst. Da sich bei vier Personen beispielsweise die Dauer einer Runde auf eine Dreiviertel-Stunde reduziert, spielen wir mit unseren Freunden gerne zwei oder drei Partien.

Whist kann aus Nachbarn Freunde machen. So laden wir ein sympathisches benachbartes Ehepaar zu einem Spielchen ein. Je öfter wir uns treffen, desto lockerer wird der Umgang unter uns. Anfangs wars ein „Ja, aber!“, mittlerweile ist es ein „Aber ja!“

Das erste ‚Aber' war des Nachbarn krankheitsbedingte Beeinträchtigung beim Mischen und Geben der Karten. Anlassbedingt ernennt er mich für diese Aufgabe zu seinem „Substituten“.

Zur Erfüllung der Aufgabe als Substitut muss ich jedes Mal, wenn er als Geber dran ist, vortäuschen, er zu sein, Also mische ich für ihn die Karten und verteile sie. Ehrlich gesagt: das mache ich von Herzen gerne, bringt es mir doch das Vergnügen, in legerer Runde diesen Freizeitspaß zu genießen. Außerdem bietet es mir die Möglichkeit, bei Fehlern in der Rolle als „Substitut“, in die Runde an die Adresse des Originals zu rufen: „Pass doch besser auf! Immer verzählst Du Dich!“

Mein Vorbild, zu dessen Nachahmung ich mich verpflichtet habe, lässt das anstandslos über sich ergehen. Sonst aber gibt er launige Kommentare von sich. Er macht gerne großartige Angaben wie viele Stiche er machen wird und übertreibt unserer Meinung nach dabei gerne. Deswegen lauschen wir seinen diesbezüglichen Angaben aufmerksam, ohne uns daran - wie sonst üblich - bei unseren eigenen Berechnungen zu orientieren. Sobald absehbar ist, dass er nicht alle vorhergesagten Punkte machen wird, prophezeiht er dem, der ihm den entscheidenden Stich abgenommen hat, empört: „Du wirst Dich ‚überfressen‘.’“ Und manchmal stimmt das sogar.

Mir, dem obligaten Schriftführer, wird öfters unterstellt, mich beim Addieren zu irren. Dabei ist gemeint, ich zähle beispielsweise 14 + 16 = 40 oder 17 + 13 = 40 (statt 30). Da ich dabei meist laut spreche, wird das leider gleich bemerkt.

Eine angenehme Überraschung bringt uns die zusätzliche Nachbarin, die zu uns gestoßen ist, weil Vergnügen eben Kreise zieht. Wir sind begeistert, wie rasch und sicher sie das Spiel erlernt. Wir anderen müssen jetzt aber berücksichtigen, dass die Anzahl der möglichen Stiche durch fünf und nicht nur durch vier zu teilen ist.

Ich gebe zu: wir genießen die Zeit, in der wir Karten spielen, unsere Nachbarn offensichtlich auch, genauso wie viele andere Personen, die ich verführen kann, mit mir Whist zu spielen. Gerne nehme ich dabei meine Rolle als „Substitut“ wahr, locker darf ich mich beim Zählen irren und natürlich auch gewinnen oder verlieren.


kostenfrei
Das ist das Feedback zu dieser Episode:
Titel-Tipps:

Antal:
„House of cards"
Hannelore:
„Whist(le) player"
Brigitte:
„Harmlose Spielsucht"


Kommentare (autorisiert):

Adalbert:
„Na, hast was gemeinsames mit Tschaikowski, der auch leidenschaftlich Whist gespielt hat..!
Ich kann mich persönlich für Kartenspiele nicht sonderlich „erwärmen“…. Konnte ich nie…
"
Antal:
„JA ! Da sind wir jetzt bei einem mir sehr, sehr nahen Thema : Ich spiele zwar nicht Whist, aber seit 45 Jahren dessen Nachfolger Bridge und kann die langjährige Leidenschaft daher gut nachvollziehen. Neben der Anti-Alzheimer-Wirkung dieser doch etwas komplexeren Kartenspiele ist natürlich der soziale Aspekt wesentlich : Man hat nicht nur viel Spass miteinander, sondern trainiert auch Respekt vor und guten Umgang mit dem Gegner. Genießt es also bis ins biblische Alter !"
Gerti:
„Ich hoffe , du wirst noch lange im Kreise deiner Lieben dieses Spiel genießen - auch mit Rechnungproblemen 16 + 14 !!!!!!!!!
Hannelore:
„Netter Zeitvertreib mit Tiefgang gut beschrieben, kann sogar ich als Nichtspieler begreifen."