Episoden aus meinem Leben

97. Splitter - Ich bitte um einen aussagekräftigen Titel

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Stiefgroßvater soll ich sein, Großvater darf ich sein und bin es auch. Selbstverständlich kann ich mit der Großmutter, meiner Frau, nicht konkurrieren, aber nach meinen Möglichkeiten halte ich mit.

Bald herrscht auch Einvernehmen darüber, dass wir mit den Enkeln Urlaub machen. Wir tun das zunächst im Haus unserer Freundin Karen in Kalksburg bei Wien, das wir zur Blumenpflege bewohnen dürfen. Es ist am Waldrand und ideal für einen solchen Zweck. Die Großmutter übernimmt die Verantwortung. Ich bin beim Knuddeln eifrig dabei.

Eineinhalb Jahre später ist die Zahl unserer Enkelkinder innerhalb von zwei Wochen auf fünf angewachsen. Blitzartig erhöhen sich damit die Gelegenheiten, großelterliche Freuden voll zu genießen. Während die Älteren bereits die Gegenstände in unserer Wohnung entdecken - einer steckt sogar meine Pfeife in den Mund - kämpfen die Jüngeren noch mit legitimem Schlaf.

Mit Zweien - es sind Zwillinge, beide 1 1/2 Jahre alt - machen wir, ausgehend von unserem Feriendomizil in Kalksburg, einen Spaziergang. Die Beiden trippeln vergnügt und tapfer neben uns her. Auf einer kleinen Wiese breiten wir eine Decke auf, die sich gut zum Herumtollen und Ausruhen eignet. Einer von den Beiden schläft dabei ein und wacht auch auf Anstupsen nicht auf. Was tun? Die Strecke zurück ist auch für mich zu lang, um ein kleines Bündel Mensch so zu tragen, dass er nicht aufwacht. Da wir hier keinen Kinderwagen zur Verfügung haben, lassen wir unsere Phantasie spielen. Im Garten gibt es einen Schubkarren! Ich hole ihn, meine Frau legt ihn mit der Decke aus und ich schiebe ihn samt Inhalt zurück. Auch nach der Ankunft in unserer Bleibe wacht er nicht auf. Wir lassen ihn noch schlafen bis er nach einer Stunde aufwacht. Wir amüsieren uns an dieser skurrilen Situation und fotografieren sie: unser Enkel, schlafend in einem Schubkarren.

Schubkarren

Pfeife
Nor-Sued-Jemen

In unserer Wohnung wird zu fünft getobt, zu viert Klavier gespielt, zu dritt in der Badewanne geplanscht und zu zweit erfolgreich ausprobiert, ob man in einen Karton hineinpasst. Was einzelne anstellen können, lässt sich nur mit viel geübter Beobachtungsgabe erfassen. Die Großmutter wird aufmerksam beim Kochen verfolgt. Im Duett werden gebackenen Kekse verziert und abwechselnd wird im frisch erworbenen Kasperltheater geschauspielert.

Es ist ein Genuss und eine große Freude, Einzelne oder auch alle Fünf gleichzeitig um sich zu haben und ihr Heranwachsen zu beobachten.

Ein Jahr später mieten wir ein ganzes Stockwerk in einem Haus im niederösterreichischem Rapottenstein. Es ist ein Eldorado für die Kleinen, die die vielen Schaukeln, das Bächlein am Wegrand und vor allem das Zusammensein mit den anderen genießen. Kein Wunder, dass Ingrid, die zur Beaufsichtigung mitgekommene Freundin, viel Aufmerksamkeit braucht, um das bunte Geschehen im Auge zu behalten.

Vorausschauend hat die Großmutter für willkommene Abwechslung gesorgt. Für jeden der Fünf gibt’s ein kleines Rucksäcklein. Sorgsam füllt sie jedes davon mit Regenzeug, Broten, geschnittenen Äpfeln, ein paar Keksen und einem Fläschchen Wasser. Stolz schultern alle das Ränzel. Begleitet von der Großmutter stapfen sie über die Wiese. Schon nach wenigen Metern schnürt der Erste sein Proviant-Sackerl auf, um nachzuschauen, was alles drinnen ist. Er fängt auch gleich an, eine Apfelspalte zu verzehren. Es ist egal, wie lange die Schar auf dem Weg zu den ersten Bäumen braucht. Ziel ist keines vorgegeben. Wichtig ist nur das Erlebnis eines solchen Ausflugs. Daher stört es auch nicht, dass bald der Nächste an seiner Wasserflasche nuckelt. Schließlich setzen sich alle hin und machen es den Beiden nach. Danach wird der Wald erreicht. Die Großmutter ist erleichtert, dass die Wanderung abläuft, ohne die Regen-Kleidung benützen zu müssen.

So können die Kinder ungestört Heidelbeeren und Wald-Erdbeeren pflücken. Sie werden in einem Schälchen gesammelt. Der Erste, dem es zum Rücktransport gegeben wird, ist sich dessen bald überdrüssig. Ein anderer bietet sich eifrig zum Tragen an. Allerdings stellen die Übrigen am Ende des Ausflugs fest, dass das Behältnis leer ist. Der Bereitwillige hat alle Beeren aufgegessen.

Einmal tauchen auch die und einmal jene Eltern auf und vergewissern sich vom Wohlergehen ihrer Sprösslinge. Sie bemerken, dass die Fünf
begeistert sind, mit Brüdern und Schwester, mit Cousine und Cousins zusammen zu sein, und registrieren, dass sich ihre Kinder schon jedes Jahr auf diese gemeinsamen Urlaube freuen, sodass der Jüngste (Enkel Nr. 6) es gar nicht erwarten kann, auch einmal dabei zu sein.



kostenfrei
Das ist das Feedback zu dieser Episode:
Titel-Tipps:

Brigitte:
Großvaterfreuden"
Opa werden ist nicht schwer...."
Großelternglück"
Je mehr Enkel, desto größer die Freude (und der Stress)"
Lotte:
Die Familienurlaube"


Kommentare (autorisiert):

Trude:
„Es ist so gut eine große Familie zu haben. Nach dem Tod meines geliebten Robert ist ein Jahr später meine einzige Schwester im Schlaf gestorben, 2011 mein Sohn Alexander ebenso mit 44 Jahren im Schlaf (Zuckerkoma).
Mein Sohn hat eine außereheliche Tochter, sie wurde vom Gatten der Kindesmutter adoptiert und ihr wurde zur Auflage gemacht, dass sie ihren leiblichen Vater n i e sehen darf und damit uns alle. Sie wäre ja meine Enkelin, die inzwischen Zwillinge bekommen hat, und auch die darf ich nicht sehen. Wie kann man so hart sein. Gott sei Dank habe ich noch meine Tochter und Enkelin Lisa, sonst würde mein Leben traurig aussehen. Aber wir sind eine kleine Familie geworden. Nun ist auch mein Schwiegervater, den ich sehr gerne gehabt habe und er auch uns,
im hohen Alter von 92 Jahren verstorben.
So ist halt das Leben, man muss es nehmen wie es kommt. Schätze Dich glücklich mit Deiner Enkelschar, Dir wird nie langweilig werden.
"
Jaleh:
Vielen Dank. Berührend."
Ursula:
Eine hübsche und treffende Schilderung eures großelterlichen Einsatzes, den ich gut nachvollziehen kann! Auch wir waren einige Jahre auf ähnliche Weise gefordert, wenn nämlich die Kindergarten- und Schulferien so gar nicht mit den elterlichen zusammen paßten. (Bei uns war nur insofern ein Unterschied gegeben, als mein Mann und ich als Lehrer immer mit der Betreuung kleiner und großer Schüler zu tun hatten und daher auch gerne einmal von Kindern ausspannen wollten.) So zogen auch wir mit 5 unternehmungslustigen Enkelchen mit dem Bollerwagen durch die Gegend, während die Eltern arbeiten mußten. Am Tage vorher wurde von uns ein leckeres Picknick vorbereitet und im Wägelchen mit allem Zubehör „für alle Fälle“ transportiert. Es waren schöne Ausflüge, auch für uns, die wir uns eigentlich nach der kinderlosen Erholung sehnten."
Brigitte:
Lieber Egon, ich habe mit dir die Enkelurlaube nochmals miterlebt. Meine Enkelsöhne sind jetzt 27, 17 und 16. Ich bin froh, seinerzeit, als sie 3, 4 usw. alt waren, Urlaube mit ihnen gemacht zu haben. Allerdings alleine und immer nur mit einem. Wir fuhren mit dem Autoreisezug nach Kärnten und mit dem Auto nach dem Urlaub die Strecke zurück nach Wien. Von Schwammerlsuchen, -putzen und zu Hause zubereiten, im See schwimmen, (Puppen-)Museumsbesuchen bis Minigolf war alles im Programm. Heute bin ich froh, mich damals doch ziemlich gestresst zu haben, denn heute haben sie natürlich schon andere Urlaubsplanungen - und erzählen mir dann davon."