Episoden aus meinem Leben

99. Splitter - Ich bitte um einen aussagekräftigen Titel

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Ich freue mich über jeden Titel oder Kommentar und über jeden, der künftig die Splitter regelmäßig erhalten will. Bitte alles an: egon.biechl@chello.at
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Zur Ausbildung eines Mitglieds der Exportabteilung einer Papierfabrik gehört die praktische Schulung vor Ort. Das gilt also auch für mich. Ich werde daher je eine Woche in die beiden niederösterreichischen Papierfabriken im Ybbstal geschickt. Die jeweiligen Produktionsleiter nehmen sich meiner persönlich an und delegieren darüber hinaus wichtige Teile dieser meiner Berufsausbildung an das zuständige Fach-Personal.

Diese vermitteln mir geduldig - wie mir scheint - Insider-Wissen über die Produktion und die Ausrüstung des hier erzeugten Papiers. Zunächst beeindrucken mich die Papiermaschinen, die mir - trotz Vorwarnung - außergewöhnlich groß erscheinen. Dann erzählt man mir von den Geschwindigkeiten, die bei der 24-Stunden-Erzeugung erreicht werden. Das interessiert mich weniger. Ich will eher wissen, welche Mengen hier erzeugt werden, was mir auch bereitwillig mitgeteilt wird. Nicht, dass mir das im Moment etwas nützen würde, aber ich soll ja diese Produktionsmengen zusammen mit meinen Kolleginnen und Kollegen in der Verkaufs-Abteilung vermarkten.

Neben Fragen, welche Qualitäten unsere Fabrik erzeugt, ziehe ich auch Erkundigungen ein, die den Mitarbeitern, die hier tätig sind, ein verschmitztes Lächeln über ihre Gesichtszüge huschen lässt. Wenn ich, der zwar weiß, wie groß das Format A4 ist, frage, welches Maß das Format B4 hätte, sagt man mir bereitwillig und ganz spontan, dass es 25,7 x36,4 cm wäre.

Neben den verschiedenen Ausprägungen der Papiersorten, weiß oder farbig, dünn oder dick, im Kleinformat für Kopiergeräte oder im Großformat für Offset-Druck-Maschinen, erfahre ich auch, auf welcher der fünf Papiermaschinen welche Sorte erzeugt wird und in welcher Breite und Grammatur. Ich komme aus dem Staunen nicht mehr heraus, als mir alle diese Parameter fachmännisch erklärt werden. Langsam bekomme ich einen allgemeinen Überblick.

Besonders interessiert mich, wie unsere Produkte auf unterschiedliche Transportmittel geladen werden: auf LKW’s oder Eisenbahn-Waggons, in 20- oder 40-Fuss-Containern auf Paletten, die man mit Hubstaplern einschlichten kann, oder händisch beladen, um eine größere Menge unterzubringen und damit Transport-Kosten zu sparen. Die Fülle an Möglichkeiten überrascht mich.

Zunächst sind diese Details zur Beladung in meinem Referat nicht so wichtig. Es handelt sich um Italien und Griechenland, also um Lieferung in den für Europa konventionellen Lademitteln: LKW oder Eisenbahnwaggons, die relativ einfach zu kalkulieren ist.


Container Hubstapler

Bald aber, als mir Überseemärkte wie der Mittlere Osten und Israel übertragen werden, muss ich meinen Kunden auch den Transport auf seetüchtigen Verkehrsmitteln anbieten. Jetzt kommen die unterschiedlich beladenen Container, Luftfracht-Sendungen und komplette Schiffsladungen ins Spiel. Das bedeutet, dass ich diese Varianten effizient und platzsparend entwerfen muss. Dabei kommt mir das damals Gelernte sehr zugute. Die Herausforderung für mich ist dabei, meinen Kunden, neben den Standard-Sorten und -Formaten auch Spezialitäten und ausgefallene Ausrüstungs-Spezifikationen zu liefern.

Folglich entwickle ich den Ehrgeiz, diesen Ansprüchen gerecht zu werden. Ob es sich um Papier in normaler, dünner oder dicker Stärke handelt, ob das Format A4 oder ein anderes Kleinformat ist, ob es sich um Großformate oder Großrollen handelt oder ob gar Kopierollen betroffen sind, es ist meine Aufgabe, diese Wünsche - so überhaupt möglich - zu erfüllen.

Mit diesen meinen wohl überlegten Berechnungen braucht es auch viel Geschick vom Belade-Personal. Paletten-Ausmaße nach Grundfläche und Höhe sind dabei von mir so zu beachten, dass mir keine Beschwerden seitens des Verlade-Personals ins Haus stehen. Das würde meine Reputation in Frage stellen. Und darauf halte ich viel. Gern verwende ich daher neben meinen geometrischen Kenntnissen auch viel Phantasie für zusätzlich erforderliche Details und vor allem viel Geduld mit mir selber.

Auch meine Chefs anerkennen diese meine Fähigkeiten, die unsere Konkurrenzfähigkeit - wenn auch nur geringfügig - erhöhen. Ich bin richtig stolz auf mich.




kostenfrei
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Titel-Tipps:

Bertrand:
Neusiedler forever!"
Brigitte:
Mich kann man nicht 'papierln'"
Alles mit Maß und Ziel"
Berechnend bin ich nur im Berufsleben"


Kommentare (autorisiert):

Egon:
„Wie?"