institut ina biechl

beratung. training. coaching.

     



Episoden aus meinem Leben

105. Splitter - Ich bitte um einen aussagekräftigen Titel

Link zur Übersicht aller bisherigen Splitter
Link zum Feedback auf diesen Splitter
Link zum Feedback auf den letzten Splitter

Ich freue mich über jeden Titel oder Kommentar und über jeden, der künftig die Splitter regelmäßig erhalten will. Bitte alles an: egon.biechl@chello.at
Kommentare nur für mich privat bitte als solche kennzeichnen.



In Österreich ist es unüblich, dass Angehörige nächtens in einem Spital einem kranken Familienmitglied beistehen. In Italien ist es –wir schreiben das Jahr 1965 - sogar erwünscht, dass solch eine Unterstützung geleistet wird. Heute werde ich vom Pater Magister mit der Aufgabe betraut, meinem kranken Mitbruder zur Seite zu stehen. Im Stockwerk, wo wir uns befinden, werden die Patienten von einer Nachtschwester gepflegt. Wie sich bald herausstellt, hat sie viel Zeit, weil keine Notfälle zu betreuen sind. Ich döse vor mich hin, weil Frater Salvatore friedlich in seinem Bett schläft. Wir kommen ins Gespräch. Sie ist neugierig und ich nicht minder. Jedenfalls halte ich einen solchen Meinungsaustausch für sehr interessant. 

Sie fragt mich also: „Warum sind Sie ins Kloster gegangen?“  Wahrheitsgemäß antworte ich darauf: “Seit meinem zwölften Lebensjahr bin ich in einem katholischen Internat aufgewachsen. Nie hatte ich Zweifel daran, die vorgesehene Laufbahn als Kleriker fortzusetzen.“

Ich wundere mich über ihr ungeniert geäußertes Bedauern, dass ich die Freiheit nach der Matura nicht wie sonst üblich genossen habe. Ob ich keine attraktiven Mädchen getroffen hätte, die mich umstimmen hätten können.

Ich halte es nicht für ratsam, in diesem Moment von meinen einschlägigen Erfahrungen zu sprechen. Weder das Begrabschen der Brust einer Klosterschwester in Kärnten, noch meine Erfahrungen mit den vielen interessierten jungen und älteren Frauen in Niederösterreich hatten ja dazu geführt, meine vorgefassten Pläne zu ändern.

Schon eher beantworte ich die Frage, ob es denn keine kritischen Familienmitglieder gäbe, die mich in dieser Angelegenheit beraten hätten: eine dominante Mutter, ein von der Familie getrennt lebender Vater würden von mir einfach nicht befragt oder überhaupt berücksichtigt. Geschwister gäbe es keine und einen Bauernhof hätte ich auch nicht geerbt.

Ich stelle mich wie üblich als Fra Clemente vor und sie - unüblich für ein solches Kennenlernen - als Antonella.

Mit „Du“ wird der Kontakt leichter, intensiver und intimer. Wir unterhalten uns darüber, ob nicht gerade jetzt der Zeitpunkt wäre, die bisherigen Entscheidungen in meinem Leben zu überdenken. Obwohl ich dadurch tatsächlich zum Überlegen komme, lasse ich mir das nicht anmerken.

Ich erkläre, dass es für mich alltäglich wäre, im Chorgestühl des Klosters mit allen übrigen Klosterinsassen zu beten, zu singen und zu meditieren, die Messe zu besuchen, die Kommunion zu empfangen und selbst das kleinste Vergehen zu beichten. Ich dächte gar nicht daran, diesen Tagesablauf mit der Teilnahme an allen liturgischen Festen in der Klausur unseres Klosters oder gar mein Leben zu ändern. 

Zudem betone ich, dass ich nicht nur einfach zur klösterlichen Gemeinschaft dazugehören, sondern perfekt sein will. Ich bin derjenige, der darauf abzielt, andere vom unschätzbaren Wert unseres Lebens als Kleriker zu überzeugen. Bei den Meditationen denke ich manchmal daran, dass wir die Ideale der sieben Florenzer Kaufleute hochhalten sollen, die im Jahr 1233 den Orden der Serviten, der „Servi di Maria“ gegründet haben.

Ob ich das nicht unverhältnismäßig für ein Leben im zwanzigsten Jahrhundert fände, gibt Antonella zu bedenken. Diese Betrachtungsweise ist für mich neu und absolut unkonventionell. Ich bin so weit aufgewühlt, dass ich mir vornehme, mich mit dieser Problematik zu befassen. Ich plane, bei der täglichen Meditation zu reflektieren, wie ich mich dieser Versuchung erwehren kann.

Aber jetzt wird es mir zu viel. Ich wechsle das Thema und frage sie, ob sie verheiratet wäre. Als sie verneint, erkundige ich mich, ob sie einen Freund hätte. Insgeheim atme ich auf, dass sie auch das ablehnt. Schließlich erkundige ich mich, ob sie bei den Eltern wohne und ob sie Geschwister hätte. Sie lebe bei der Mutter und hätte eine Schwester. 

Sie lädt mich zu sich nach Hause ein und lässt meine Gegen-Argumente nicht gelten. Obwohl ich nicht glaube, dass es meinem Pater Magister gefallen wird, verspreche ich, mich bei ihm zu erkundigen. Er stimmt zu ...


Beisammensein
kostenfrei

 
 
    Praxis
   
website designed
by dieter freyer
zu Websites designed by Dieter Freyer
  Version 6.2
copyright © 1999-2018 ina biechl