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Episoden aus meinem Leben

91. Splitter - Ich bitte um einen aussagekräftigen Titel

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Ich freue mich über jeden Titel oder Kommentar und über jeden, der künftig die Splitter regelmäßig erhalten wollen. Bitte alles an: egon.biechl@chello.at
Kommentare nur für mich privat bitte als solche kennzeichnen.



Ich lehne mich zurück, rauche genüsslich meine Pfeife und widme mich lustvoll meinen interessanten Projekten. Ich habe jetzt als betagtes Firmenmitglied - drei Jahre nach dem Rückzug aus meiner Reisetätigkeit - viel Zeit, meine Netzwerke auszubauen. Gerade eben als einziger Kandidat der „Liste Egon“ zum Betriebsratsobmann unseres Wiener Standorts gewählt, kommt mir das sehr zugute. Ich kann viele anregende Gespräche mit meinen Kollegen in Wien und bei vielen Gelegenheiten auch in der Fabrik führen. Dort kenne und schätze ich aus meinen langjährigen vielfältigen telefonischen und persönlichen Kontakten viele meiner Arbeits-Kameraden.

Jede Firma ist bestrebt, die Kosten in allen Bereichen auf ein Minimum zu reduzieren. Das gilt auch in Papierfabriken und das sowohl bei der Herstellung und der Ausrüstung als auch im sogenannten „Vertrieb“. Dabei finde ich dieses Wort kurios, ruft es doch die Vorstellung wach, dass wir in der Verkaufsabteilung die „Kunden vertreiben“.

Es gibt verschiedene Ansatzpunkte, um zu sparen. Die Produktion achtet auf die Qualität des Papiers, die Basis für das Image der Fabrik. Zudem nutzt sie mit akribischer Feinplanung die verfügbare Breite der Papiermaschinen um die Produktionsmenge zu steigern. Die Ausrüstung ist darauf bedacht, das Papier einwandfrei zu schneiden und zu verpacken. Außerdem koordiniert sie gezielt den Ablauf auf den Schneide- und Verpackungs-Aggregaten, um unnötige Ausfallzeiten zu vermeiden. Der Verkauf, zu dem ich gehöre, bietet das Fertig-Produkt zu konkurrenzfähigen Preisen an, damit auch die erzielten Erlöse stimmen. Um die Belegschaft der einzelnen Abteilungen zu motivieren, ihre Aufgaben bestmöglich zu erledigen, wird uns Anerkennung in Form einer offiziellen Preisverleihung, gekoppelt mit einer Prämie in Aussicht gestellt. Dieses System läuft unter dem Namen PTL („Pushing the limits“ oder zu Deutsch „Grenzen ausloten“). Das Losungs-Wort ist in Englisch, sodass anzunehmen ist, dass PTL international Gültigkeit hat, also auch für unsere Standorte in Ungarn, der Slowakei, Russland, Israel und Südafrika. Wie viele andere denke ich mir, dass die Auswirkung auf jeden Einzelnen von uns umso geringer ist, je ausgedehnter der Geltungsbereich ist.

Wir Betriebsräte besprechen gemeinsam, wie Stress-Situationen aufgrund dieser Neuregelung vermieden werden können. Wir wollen Mitspracherecht. Wir wollen wechselseitige Berücksichtigung der Möglichkeiten in den verschiedenen Arbeitsbereichen. Wir wollen nicht gegeneinander, sondern mit vereinten Kräften arbeiten. Wir wollen Teamwork.
Auch die Firmenleitung findet das nach vielen Gesprächen sinnvoll und unterstützt unser Anliegen. Zwar werden nicht alle unsere Vorschläge akzeptiert, aber im Prinzip akzeptiert man unsere Argumentation. Die Auswirkungen werden jedoch auf die österreichischen Niederlassungen beschränkt.

Nicht als Betriebsrat, sondern als Projektleiter bekomme ich im Rahmen des PTL einen „Award“, eine Trophäe mit dem PTL-Logo und der Aufschrift „Packaging Complexity Reduction“ als Anerkennung für die Resultate meiner Projektarbeit zum Thema der Reduzierung der Komplexität unserer Verpackungen.

Habe ich die Gespräche mit den maßgeblichen Kollegen richtig interpretiert? Habe ich die Zusammenarbeit auf Basis wechselseitiger Kompromisse gut durchdacht? Habe ich diesen „Award“ zu Recht erhalten? Habe ich die richtigen Schlüsse gezogen, die jeder Abteilung ähnliches Entgegenkommen abverlangen? Wird dadurch die Partnerschaft unter uns gefördert? Ist mein Beitrag sinnvoll?

Selbstbewusst lehne ich mich zurück, rauche genüsslich meine Pfeife und widme mich wieder meiner unmittelbaren Aufgabe, den lustvollen Projekten.


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